Direkt zum Inhalt Direkt zur Navigation
Sie sind hier: Startseite Nachrichten Politik Gefahren der Digitalisierung: DGB-Chef Hoffmann warnt vor "moderner Sklaverei"

Gefahren der Digitalisierung: DGB-Chef Hoffmann warnt vor "moderner Sklaverei"

Archivmeldung vom 28.04.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 28.04.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Reiner Hoffmann Bild: DGB/Simone M. Neumann
Reiner Hoffmann Bild: DGB/Simone M. Neumann

In der Debatte um die Digitalisierung der Wirtschaft warnt der Deutsche Gewerkschaftsbund eindringlich vor "moderner Sklaverei". DGB-Chef Reiner Hoffmann sagte im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Es entsteht ein digitales Proletariat, wenn wir die Spielregeln für die Plattform-Ökonomie und für den digitalen Kapitalismus nicht grundlegend weiter entwickeln. Es kann nicht sein, dass der Acht-Stunden-Tag aufgelöst wird und es keine elfstündigen Ruhezeiten mehr gibt."

Hoffmann betonte, auch Menschen in einer Plattform-Ökonomie brauchten Pausen und müssten sozial abgesichert sein. "Dazu müssen wir die Tarifbindung ausweiten." Der Fahrdienstleister Uber und andere Online-Vermittler weigerten sich aber, ihre Verantwortung als Arbeitgeber anzuerkennen. "Damit muss Schluss sein, da ist auch der Gesetzgeber gefragt."

In Deutschland arbeiten nach Schätzung des DGB insgesamt weit mehr als zwei Millionen Menschen in der Plattform-Ökonomie. Bis zu einer Million Menschen von ihnen sind nach den Worten von Hoffmann als so genannte Crowdworker registriert, deren Dienste man online einkaufen kann. Der DGB-Chef beklagte, nur ein Bruchteil dieser Beschäftigten könne von dieser Arbeit leben. Sie alle seien potenziell von Ausbeutung bedroht. Hoffmann: "Wenn es eine Auflösung von Ort, Raum und Zeit gibt, wenn Arbeiten über Internetplattformen weltweit vergeben werden können, dann brauchen wir mindestens europäische Spielregeln, um Fehlentwicklungen zu begrenzen." Die EU-Kommission arbeite noch an Vorschlägen. Es sei "höchste Zeit, dass sie umgesetzt werden".

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung (ots)

Anzeige: