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EKD-Ratsvorsitzender will höhere Steuern für Besserverdiener

Archivmeldung vom 11.04.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 11.04.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott
Heinrich Bedford-Strohm (2019)
Heinrich Bedford-Strohm (2019)

Bild: Screenshot Youtube Video: "Heinrich Bedford-Strohm, Jahresempfang der Evangelische Akademie Tutzing am 17.1.2019 / #EATutzing" / Eigenes Werk

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat sich für einen größeren finanziellen Beitrag der Besserverdienenden zur Bewältigung der Coronakrise ausgesprochen. Der Applaus für systemrelevante Berufe wie Pflegende oder Supermarktmitarbeiter müsse auch Konsequenzen für die Zeit danach haben, sagte Bedford-Strohm der "Süddeutschen Zeitung".

Nach der Krise werde es "um die Solidarität aller gehen" und besonders um die Solidarität derer, "denen es - wie mir - materiell gut geht". Er sei "ohne jedes Zögern bereit dazu", höhere Steuern zu zahlen. "Mir geht es sehr nahe, wenn ich die Inhaber der kleinen Geschäfte in meinem Viertel sehe. Wenn ich die Blumenhändlerin sehe, die wirklich von Früh bis Abend arbeitet, die sich das lange aufgebaut hat und für die jetzt einfach alle Einnahmen wegbrechen", sagte Bedford-Strohm.

Er hoffe und bete, dass die Menschen, deren Lebensleistung in so einem Geschäft steckt, nicht alleine gelassen werden und dass sie über diese Zeit hinaus wieder eine wirtschaftliche Basis haben. "Aber auch für all die Menschen, die jetzt ihren Arbeitsplatz verlieren und ihn vielleicht auch später so nicht mehr zurückbekommen. Man darf sich keine Illusionen machen, wenn die Krise vorüber ist, wird es eine riesige Solidaritätsanstrengung brauchen, und ich hoffe, dass wir alle dazu bereit sind." Besonders die, denen es finanziell gut gehe. Außerdem kritisierte Bedford-Strohm die Bundesregierung dafür, dass sie anders als versprochen noch nicht 1.500 Kinder und Jugendliche aus griechischen Flüchtlingslagern aufgenommen habe. Er habe den Eindruck, dass "nicht einmal die politischen Zusagen erfüllt werden".

Er fordere, "dass wenigstens die bereits getroffene Zusage, 1.500 Jugendliche und Kinder aus dem Lager auf Lesbos auszufliegen, eingelöst wird, bevor dort eine humanitäre Katastrophe ausbricht, weil sich das Virus ausbreitet", sagte Bedford-Strohm. Das sei das Mindeste. "Wir dürfen aber auch nicht das Schicksal der Menschen ausblenden, die wegen der extrem schlechten Hygienebedingungen in den Slums der Welt vor dem Nichts stehen." Gemeinsam müsse man nachdenken, wie man verhindert, "dass durch dieses Virus die Länder, die dabei sind, sich zu entwickeln, um Jahrzehnte zurückgeworfen werden". Kritisch äußerte sich Bedford-Strohm auch über Klagen gegen das Gottesdienstverbot: "Das stößt auf meinen entschiedenen Widerspruch", sagte der EKD-Ratsvorsitzende.

"Wir würden unsere eigene Botschaft konterkarieren, wenn wir sagen, wir könnten nur dann die Präsenz Gottes erfahren, wenn wir in unseren vertrauten Kirchen sitzen." Der Glaube an Gott sei "untrennbar verbunden" mit der Nächstenliebe. "Wenn Gottesdienste oder andere Versammlungen derzeit das Risiko dafür erhöhen, dass Menschen sterben - dann sind Gottesdienste in unseren Kirchen im Moment leider der Feind der Liebe. Dann finden wir andere Wege, die Kraft des Evangeliums in die Herzen der Menschen zu bringen." Die letzten Wochen hätten ihm gezeigt, dass genau das der Fall sei. Ostern werde in diesem Jahr vielleicht kraftvoller gefeiert denn je.

Quelle: dts Nachrichtenagentur


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