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Literaturkritiker Scheck begrüßt Nobelpreis-Absage

Archivmeldung vom 05.05.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 05.05.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Denis Scheck (2017)
Denis Scheck (2017)

Foto: Martin Kraft
Lizenz: CC BY-SA 3.0
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Der Literaturkritiker Denis Scheck hat die Entscheidung der Schwedischen Akademie begrüßt, den Nobelpreis für Literatur in diesem Jahr nicht zu vergeben. "Wir können nur die Konsequenz ziehen: Nehmen wir doch diesen Preis bitte nicht mehr so wichtig", sagte er den ARD-"Tagesthemen".

In der Schwedischen Akademie gehe es "im Grunde zu wie in einem sehr guten Unterhaltungsroman", sagte Scheck. "Ich bin gar nicht traurig, dass der Literaturnobelpreis dieses Jahr ausfällt. Dafür ist die Gaudi der sich selbst demontierenden Akademie einfach ein zu großes Vergnügen." Er hoffe, dass "diese Gelegenheit genutzt wird um uns endlich von dem naiven Kinderglauben zu kurieren, dass der Preis mehr ist als Einladung, über Literatur ins Gespräch zu kommen", betonte der Literaturexperte. "Man muss sich ja nur mal vor Augen führen: Von den Großen der Literatur des 20. Jahrhunderts, also James Joyce, Franz Kafka, Marcel Proust, Vladimir Nabokov, Arno Schmidt, hat die Akademie keinen einzigen ausgezeichnet. Die mussten in die Grube fahren ohne Literaturnobelpreis." Es sei gar nicht möglich, mit einem Literaturpreis pro Jahr "dem komplexen Phänomen Weltliteratur" gerecht zu werden.

"Also: Freuen wir uns aufs nächste Jahr, wenn dann gleich zwei Literaturnobelpreise verliehen werden." Scheck erzählte, er sei einmal bei einer Auslandstagung der deutschen Akademie für Sprache und Dichtung dabei gewesen, die den wichtigsten deutschen Literaturpreis vergibt, den Büchner-Preis. "Ich durfte das Zusammentreffen der beiden Akademien erleben und kann Ihnen sagen: Heissa, war das ein Rollatorenwettlauf!" Die Akademien, deren Mitgliedschaft auf Lebenszeit vergeben würden, seien "extrem überaltert", sagte Scheck. "Wer das gesehen hat, der weiß, warum Philip Roth bis auf den heutigen Tag auf seinen Literaturnobelpreis vergebens wartet."

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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