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Anti-Russische Kampagnen? Medien in Filterblasen? Oder überempfindliches Russland?

Archivmeldung vom 23.05.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 23.05.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Thorben Wengert / pixelio.de
Bild: Thorben Wengert / pixelio.de

Betreiben deutsche Medien eine koordinierte Propaganda gegen Russland? Schreiben und senden deutsche Journalisten in einer Filterblase, wenn sie über Russland berichten? Ist Russland nur überempfindlich und kann keine Kritik vertragen? Sputnik hat mit dem Kommunikationswissenschaftler Michael Meyen gesprochen.

Andreas Peter schreibt in seinem Beitrag in der deutschen Ausgabe des russischen online Magazins: "Es ist ein vieldiskutierter Streitpunkt, ob westliche Medien eine abgestimmte Propaganda gegen Russland, russische Politik und russische Medien fahren oder ob Russland, seine Regierung, sein Volk und seine Medien vielleicht nur besonders empfindlich sind. Eines allerdings scheint offensichtlich. Eine klare Mehrheit der Journalistinnen und Journalisten in den wichtigsten Medien Deutschlands ist sich einig darin, dass sie selbst in der moralischen Position und dazu berufen sind, Russland und russische Politik zu beurteilen und zu bewerten. Dabei sollen meist Moral- und Wertmaßstäbe gelten, die erstaunlicherweise keine Rolle mehr spielen, wenn sie an deutsche oder westliche Politik angelegt werden.

Für Michael Meyen, Professor vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität in München ist das nicht wirklich überraschend. Im Gespräch mit Sputnik verweist er auf die sogenannte Indexing-Hypothese:

„Die sagt, dass Journalismus eigentlich nur das wiedergeben kann, was im politischen Spektrum diskutiert wird. Und wenn man das politische Spektrum, rund um die große Koalition vor allen Dingen, anschaut, dann ist da doch eine relativ einheitliche, ablehnende Haltung gegenüber Russland zu erkennen. Insofern wäre Journalismus nach dieser Hypothese überhaupt nicht in der Lage, einen eigenständigen Ansatz zu finden, der von diesem Russland-Bashing weggeht.“

Demnach bedarf es keiner staatlichen Zensur oder staatlich organisierten Medienkampagne, weil die meisten Journalistinnen und Journalisten in deutschen Medienhäusern im Hinblick auf Russland das Gleiche denken und sich gegenseitig in ihrer Meinung bestätigen. Offenkundige Doppelstandards sind ihnen deshalb gar nicht bewusst, weshalb sie stereotypartig immer wiederholt werden. Selbst wenn wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass deutsche Medien einseitig berichteten, wie zuletzt im US-Präsidentschaftswahlkampf, als sich beinahe alle deutschen Medien deutlich erkennbar auf die Seite der demokratischen Kandidatin schlugen und fassungslos waren, als das Wahlergebnis nicht ihren Wünschen und Vorstellungen entsprach – selbst dann sind viele deutsche Medienhäuser nicht in der Lage, selbstkritisch ihre Positionen und Arbeitsweisen zu hinterfragen oder gar zu ändern.

Medienwissenschaftler wie Meyen konstatieren deshalb, dass das Mediensystem sich in einer Krise befindet, was die öffentlich-rechtlichen Vertreter der Branche sehr viel dramatischer treffe als die privatrechtlich organisierten. Die Legitimitätskrise vor allem von ARD und ZDF hat nach Meinung von Meyen das Potenzial, diese beiden mächtigen Akteure in der deutschen Medienlandschaft ernsthaft in ihrem Bestand zu gefährden:

„Was ich immer wieder festgestellt habe, ist, dass die Medienkritik, die laut wird im Moment, dass die letztlich eine Systemkritik ist. Man wirft es weniger einzelnen Journalisten vor, dass sie einseitig sind, sondern man wirft dem System vor, dass es nicht in der Lage ist, einen Rundfunk zu unterhalten, der die Normen bedient, die man sich selber gibt: Objektivität, Ausgewogenheit, Vielfalt, Unabhängigkeit von politischen Interessen.“

Selbstkritik betrifft natürlich auch russische Medien in Deutschland. Weshalb Meyen zustimmt, dass sich natürlich auch Medien wie Sputnik Fragen gefallen lassen müssen. Ob sie nicht zu sehr interessengeleitet sind, ob sie möglicherweise auf Kritik deutscher Medien an Russland und russischer Politik zu empfindlich reagieren und vieles mehr.

„Das kann natürlich sein, sie haben eine bestimmte Perspektive, weil sie aus dem russischen Staatshaushalt bezahlt werden, was bei den deutschen Medien erstmal so nicht ist, auch wenn man natürlich bei den gebührenfinanzierten Sendern sagen kann, da steckt ein Gesetz dahinter. Letztlich ist das so eine Art Zwangsabgabe und damit irgendwie auch etwas, was staatlich finanziert wird. Insofern könnte es natürlich sein, dass die Finanzierung, die Loyalität zu ihrem Geldgeber dazu führt, dass sie bestimmte Dinge anders sehen.“

Allerdings gibt der Kommunikationswissenschaftler auch zu bedenken, dass die hohe Frequenz immer neuer Umfragen zum Vertrauen in Medien nicht von ungefähr komme, sondern einem tief sitzenden Misstrauen vieler Menschen in die Glaubwürdigkeit von Medien entspringt. Das spielte vor 30 oder 40 Jahren noch keine Rolle, stellt Meyen selbst erstaunt fest.

Der Medienprofessor war einer der Gäste einer Gesprächsrunde, die in der vergangenen Woche in München von der Online-Nachrichtenplattform „Telepolis“ ausgerichtet worden war. Eine der Fragen, mit denen die Veranstalter einluden, lautete: „Können wir aus dem Propaganda-Schlagabtausch etwas lernen?“ Meyen antwortet, ohne zu Zögern, mit einem klaren Ja:

„Wir als Mediennutzer können lernen, dass wir nicht nur einer Quelle vertrauen können. Viele Menschen nutzen zum Beispiel ihre Angebote, viele nutzen ‚Nachdenkseiten‘, ‚Rubikon‘ oder ‚Telepolis‘, alternative Medienangebote. Und dass diese Angebote überhaupt Erfolg haben, das zeugt davon, dass da ein Bedarf da ist. Von daher glaube ich, können wir schon lernen, dass wir nicht leichtgläubig, nicht gutgläubig sein sollen, und wir verschiedene Perspektiven, verschiedene Standpunkte miteinander vergleichen müssen, bevor wir uns ein Urteil bilden.“

Quelle: Sputnik (Deutschland)

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