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Abzocke beim HNO-Arzt

Archivmeldung vom 12.05.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 12.05.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: Hans Snoek / PIXELIO
Bild: Hans Snoek / PIXELIO

Der Besuch beim HNO-Arzt kann Patienten mit schlechtem Hörvermögen teuer zu stehen kommen. In mehreren dem NDR bekannten Fällen sind diese offenbar gedrängt worden, direkt beim Arzt Verträge zu unterschreiben. Sie willigen darin ein, das Hörgerät in der Praxis zu erwerben und die Justierung beim Arzt direkt und unter dessen Mitwirkung vorzunehmen - und nicht etwa bei einem Hörgeräteakustiker. Mit der Unterschrift bestätigen die betroffenen Patienten auch, darüber informiert worden zu sein, dass in diesem Fall die Krankenkasse nicht zahlt.

Dies berichten die Nachrichtensendung "NDR aktuell" und das TV-Magazin "Menschen und Schlagzeilen" am Mittwoch, 12. Mai, im NDR Fernsehen.

Die Klausel auf einem dem NDR vorliegenden Standardvordruck eines Hörgeräteherstellers lautet: "Eine Kostenerstattung wird durch Ihre gesetzliche Krankenkasse derzeit abgelehnt." Der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem gegenüber dem NDR: "Nach dem, was ich gesehen hab, halte ich das für illegal, zumindest wenn der Patient nicht darüber aufgeklärt wird, welche Nachteile das für ihn hat."

Hintergrund: Ginge der Patient zum Hörgeräteakustiker, würde die Kasse Hörgerät, Beratung und Anpassung in den meisten Fällen bezahlen oder bezuschussen. Diese Information wird den Patienten offenbar wissentlich und systematisch vorenthalten. Ihnen wird offenbar suggeriert, die sogenannte "verkürzte Versorgung" direkt vor Ort beim Arzt sei deutlich praktischer als der eigentlich richtige Weg - im Vertrag als "konventionelle Versorgung" verklausuliert. Dina Michels von der KKH Allianz: "Nach meiner Auffassung ist das Betrug am Patienten, da er diese Zahlung ja nicht leisten müsste."

1296 Euro sollte eine 86-jährige Bremerin für ein Hörgerät aufbringen. Alternativen, bestätigt sie dem NDR, seien ihr nicht aufgezeigt worden. Direkt in der Arztpraxis hatte sie den Vertrag mit Arzt und Hörgerätefirma unterschrieben. Ihr Arzt wollte sich nicht äußern - sein Verband spricht von Einzelfällen. Experten sehen eine neue Gesetzeslücke, nachdem eigentlich mit § 128 Sozialgesetzbuch (Fünftes Buch) halblegalen Geschäften zwischen Hörgerätefirmen und HNO-Ärzten ein Riegel vorgeschoben werden sollte. Jürgen Wasem gegenüber dem NDR Fernsehen: "Wenn der HNO-Arzt, der die Hörgeräte verschreibt, gleichzeitig auch das Hörgerät verkauft, überlagert sich sein ärztliches Bewusstsein mit dem ökonomischen Interesse am Gewinn durch den Verkauf des Gerätes. Das ist ein Spannungsverhältnis, das zu Lasten des Patienten ausgeht." 

Quelle: NDR Norddeutscher Rundfunk

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