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Ethikrat-Vorsitzende will ärztlich assistierten Suizid in Ausnahmefällen straffrei stellen

Archivmeldung vom 31.03.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 31.03.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt
Bild: s.media / pixelio.de
Bild: s.media / pixelio.de

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Christiane Woopen, gibt der Debatte um die Sterbehilfe in Deutschland neuen Diskussionsstoff: Im Nachrichtenmagazin "Focus" sprach sie sich dafür aus, ärztlich assistierten Suizid in Ausnahmefällen zuzulassen und straffrei zu stellen.

"Für die wenigen Menschen, deren Todeswunsch trotz aller Bemühungen beständig bleibt und die aufgrund von schwerem, nicht abwendbarem Leid ihrem Leben ein Ende setzen wollen, sollte der Arzt seinem Gewissen folgen dürfen", so Woopen. Dieser Arzt dürfe dafür "von der Bundesärztekammer nicht gescholten oder gar nach Landesberufsrecht bestraft werden".

Bisher untersagen einige Landesberufsordnungen Hilfe bei Selbsttötung. Auch Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery ist strikt dagegen. Woopen warb für eine "Kultur des Lebens". Es sei "ein Gebot der Moral und eine gesellschaftliche Pflicht, dass wir einen Todeswunsch nicht so schnell wie möglich erfüllen", betonte die Medizinerin und Hochschullehrerin für Ethik. "Wir sollten vielmehr den oft noch vorhandenen Lebenswillen ansprechen und die Menschen etwa mit den Möglichkeiten der modernen Schmerzbekämpfung achtsam begleiten." Deshalb sollten Palliativmedizin und Hospizarbeit in Deutschland deutlich gestärkt werden.

Die Ethikrat-Vorsitzende ergänzte: "Wenn der Arzt auf der Grundlage einer lang dauernden und guten Kenntnis des Patienten zu dem Schluss kommt, dass er es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, ihm ein Mittel für den Suizid zu Verfügung zu stellen, dann sollte dies als existenzieller Ausnahmefall akzeptiert werden." In diesen "sehr seltenen Fällen" dürfe "das Gesetz schweigen".

Der Gesetzgeber solle sich darauf beschränken, bei "Leichtfertigkeit und Missbrauch einzugreifen". Woopen wandte sich klar gegen Vereine, die Suizid "wie eine normale Dienstleistung anbieten". Solche Vereine solle es "in Deutschland nicht geben", forderte sie. Der deutsche Ethikrat ist ein unabhängiges Expertengremium, dessen Mitglieder vom Bundestag und der Bundesregierung vorgeschlagen werden.

Quelle: dts Nachrichtenagentur

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