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Die Antibabypille wird 60: Sie hat die sexuelle Revolution ausgelöst - doch heute empfinden sie viele Frauen als Last

Archivmeldung vom 03.08.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 03.08.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott
Typische Verpackung einer Antibabypille
Typische Verpackung einer Antibabypille

Lizenz: Matthew Bowden www.digitallyrefreshing.com
Die Originaldatei ist hier zu finden.

Alicia Schwarzer feierte sie noch als "Geschenk Gottes", junge Frauen stellen sie heute in sozialen Netzwerken als Verursacherin von Kopfschmerzen und Depressionen an den Pranger - dazwischen liegen 60 Jahre. Die Antibabypille kam erstmals am 18. August 1960 vom Pharmaunternehmen Searle in den USA unter dem Namen Enovid auf den Markt.

In Deutschland mit Anovlar des Berliner Pharmaunternehmen Schering knapp ein Jahr später, am 1. Juni 1961. Geleistet hat sie viel: Rollenbilder verkehrt und Machtstrukturen umgeworfen, so beschreibt es Gynäkologe Dr. Christian Fiala, der in Wien ein Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch aufgebaut hat, im Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau". "12 bis 15 Schwangerschaften im Leben waren nicht die Ausnahme, es war der Schnitt. Viele Frauen starben im Kindbett. Oder bei einer Abtreibung", sagt Fiala.

Ledige Frauen kauften die Pille auf dem Schwarzmarkt

Präservative, Pressare, fruchtbaren Tage errechnen: Das war nicht nur unpraktisch, sondern unsicher. Mit der Pille dagegen hatten Frauen erstmals in der Menschheitsgeschichte ein Mittel, ihre Fruchtbarkeit zuverlässig zu kontrollieren - und ihre Sexualität zu leben. Zwar war die Pille zunächst nur verheirateten Frauen vorbehalten, doch Ledige besorgten sie sich über ihre Verwandtschaft und auf dem Schwarzmarkt. Auf den Titelseiten des Kultmagazins Twen präsentierten nackte Frauen lasziv Themen zu Sexualität. "Viel wurde erstmals sagbar und zeigbar", sagt Historikerin Dr. Eva-Maria Silies, die der Geschichte der Pille in Deutschland ihre Doktorarbeit widmete.

Die Pille für den Mann: Klagen über Gewichtszunahme

Das Medikament stand jedoch auch immer wieder in der Kritik: Die ersten Verhütungspräparate waren Hormonbomben und hatten starke Nebenwirkungen zur Folge, etwa gefährliche Blutgerinnsel. Hinzu kam die Angst vor Krebs. Zudem waren es Frauen leid, die Last der Lust alleine zu tragen. Die Pille für den Mann dagegen lässt auf sich warten. 2011 hat die Weltgesundheitsorganisation eine große Studie mit verhütender Hormoninjektion gestoppt - die Gründe: Die Männer klagten über Nebenwirkungen wie Hautprobleme, Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme.

Neben Hormonspirale und Sterilisation gilt die Pille auch heute noch als das sicherste Verhütungsmittel. Allerdings hat die Zahl der Nutzerinnen laut einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung spürbar abgenommen, vor allem unter jungen Frauen. Dr. Melanie Henes hält nichts davon, die Pille zu verteufeln. "Sie ist auch heute noch ein hervorragendes Medikament. Nicht nur bei Endometriose oder starker Akne - sondern nach wie vor zur Verhütung."

Quelle: Wort & Bild Verlag - Gesundheitsmeldungen (ots)


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