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Studie: Zwei Drittel der Deutschen leiden psychisch unter der Pandemie

Archivmeldung vom 13.07.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 13.07.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
Depression  Bild: pixelio.de, G. Altmann
Depression Bild: pixelio.de, G. Altmann

Die psychischen Folgen der Corona-Pandemie wurden offenbar massiv unterschätzt. Denn nur ein Drittel gibt an, "gering" unter den Corona-Folgen zu leiden, 41 Prozent gaben an, mittelmäßig und 6 Prozent sogar stark darunter zu leiden. Das ergab eine repräsentative Online-Befragung von 2.000 Bundesbürger durch das Institut Toluna im Auftrag der Asklepios Kliniken.

Besonders betroffen sind junge Menschen, bei denen 4 von 5 gelitten haben, und Mehrpersonenhaushalte mit Kindern. Hier waren 37 Prozent stark und 45 Prozent mittelmäßig betroffen. "Die Ergebnisse geben Anlass zur Besorgnis. Möglicherweise wurden die Nebenwirkungen der Lockdowns unterschätzt", sagt Prof. Dr. Christoph U. Herborn, Chief Medical Officer (CMO) der Asklepios Kliniken Gruppe. "Das muss jetzt untersucht werden, um künftig in solchen Situationen nicht nur die körperliche Gesundheit der Bevölkerung sicherzustellen."

Als größte Herausforderung werden von den Betroffenen fehlende soziale Kontakte und Einsamkeit von 42 Prozent genannt, gefolgt von "keine Besuche bei (gefährdeten) Familienangehörigen" (32 Prozent), Angst vor Maskenpflicht und fehlende kulturelle Angebote (jeweils 30 Prozent). Als geringstes Problem werden eine beengte Wohnsituation (3 Prozent), Arbeit im Homeoffice (5 Prozent) und Betreuung der Kinder im Homeschooling (6 Prozent) erachtet. Allerdings arbeiten auch nur 24 Prozent der Befragten im Homeoffice.

Dem deutschen Gesundheitssystem geben die Befragten in der Studie im Schnitt eine 2,8 als Schulnote. Mit 1,8 bzw. 1,9 wird die Einsatzbereitschaft der Pflegekräfte und Ärzt:innen deutlich besser beurteilt. Die Behandlungsqualität und Versorgung von Intensivpatienten kommt auf eine 2,1, die Hygiene- und Schutzmaßnahmen auf eine 2,2, die Verfügbarkeit von Intensivbetten auf 2,4 und die Aufrechterhaltung des normalen Krankenhausbetriebs auf 2,6. Die Befragten mit Krankenhauserfahrung benoten alle Kategorien geringfügig besser. "Die Ergebnisse zeigen einmal mehr deutlich, dass das Personal deutscher Kliniken in der Corona-Pandemie einen phantastischen Job gemacht hat - und das haben die Menschen gemerkt", so Prof. Dr. Christoph U. Herborn.

Tatsächlich gab es praktisch bei allem, was die Befragten als positiv für ihr Wohlbefinden einstufen, besonders strikte Einschränkungen. So nennen als Faktoren für das Wohlbefinden 56 Prozent Freunde treffen, 50 Prozent Restaurant-/Cafébesuche, 46 Prozent uneingeschränktes Reisen und Urlaub sowie 45 Prozent ein Leben ohne Maske. Es folgten Verwandtschaft und kulturelle Veranstaltungen besuchen mit jeweils 37 Prozent. Deutlich seltener werden genannt: Abstandsregeln nicht mehr einhalten zu müssen (27 Prozent), Shoppen gehen (26 Prozent), Sport und Fitnessstudio (20 Prozent) sowie Rückkehr zum Präsenzunterricht in Schulen und normalem Kita-Betrieb (7 Prozent) und Rückkehr zur Arbeit vor Ort (5 Prozent). Freunde zu treffen ist dabei über 60-Jährigen (64 Prozent) und Frauen (59 Prozent) besonders wichtig, ein Leben ohne Maske wünscht sich v.a. die Altersgruppe zwischen 30 und 39 Jahren mit 54 Prozent.

Massive Nachteile durch Homeschooling?

In 15 Prozent der Haushalte lebt mindestens ein von Homeschooling betroffenes Kind. 48 Prozent derjenigen, die im Homeoffice arbeiten und mindestens ein Kind im Homeschooling hatten, beschreiben die psychische Belastung als stark. Die Befragten sehen massive Nachteile im Homeschooling. Für 87 Prozent bekommen es Lehrkräfte schlechter mit, wenn Kinder in einzelnen Fächern Probleme haben. Mit 86 Prozent sehen fast genauso viele eine Belastung der psychischen Gesundheit von Kindern durch fehlende Entwicklungsräume, verminderte Sozialkontakte und das ausgefallene gemeinsame Lernen. 85 Prozent finden es ungesund, dass die Kinder fast den ganzen Tag vor Bildschirmen verbringen mussten, und ebenso viele finden, dass dadurch soziale Ungleichheiten verschärft wurden. Vier von fünf geben an, dass nicht ausreichend Geräte wie Laptops oder Tablets zur Verfügung standen, und die gleiche Zahl sieht die Beziehung zwischen Eltern und Kindern stark belastet, weil sich die Eltern stark um die schulischen Angelegenheit zu kümmern hatten und damit überfordert waren. Knapp drei von vier Befragten gehen davon aus, dass die Kinder den verpassten Lernstoff nicht wieder aufholen können.

Positive Aspekte des Homeschooling werden von den Befragten auch gesehen, aber in deutlich geringerem Maße. So geben 55 Prozent an, Eltern bauen durch die schulische Betreuung eine intensivere Beziehung zu ihren Kindern auf. 43 Prozent sagen, das Lernen sei ungezwungener und individueller, da die Kinder im eigenen Tempo arbeiten könnten - unter den 30- bis 39-Jährigen, somit potenziellen Eltern, sind es sogar 64 Prozent. Ein Drittel vermutet, Kinder könnten sich zu Hause besser konzentrieren als in der Klasse, da sie sich weniger von Mitschülern ablenken ließen.

Quelle: Asklepios Kliniken GmbH & Co. KGaA (ots)

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