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Börsen-Zeitung: Fanal für die Branche, Kommentar zu Lebensversicherern

Archivmeldung vom 06.01.2017

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 06.01.2017 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott

Auf diese Entscheidung hat die Versicherungsbranche lange gewartet. Die BaFin hat erstmals die Übertragung eines klassischen Lebensversicherungsbestands ohne Neugeschäft auf eine Abwicklungsplattform genehmigt. Die Finanzaufsicht hat sich für ihre Erlaubnis viel Zeit gelassen. Wie hart das Ringen um Konditionen letztlich war, darüber schweigen sich die Beteiligten aus. Doch für die mehr als ein Jahr dauernd Hängepartie gibt es gute Gründe.

So hat die Behörde in mehrfacher Hinsicht Neuland betreten. Die Abwicklung von Versicherungsbeständen durch externe Dienstleister und Spezialisten ist bislang vor allem in der Sach- und Haftpflichtversicherung praktiziert worden. Lebensversicherungsportfolien mit klassischen Garantiepolicen ohne Neugeschäft wurden bisher ausschließlich gruppenintern abgebaut. Prominentes Beispiel ist die Victoria Leben, einst unter den fünfzehn größten deutschen Lebensversicherern, die von der Mutter Ergo abgewickelt wird.

Und dann kommt auch noch Solvency II dazu. Das neue risikobasierte Regime ist auch für die Aufseher selbst ein harter, weil komplexer Brocken. Eine Bestandsübertragung an einen Dritten unter den neuen Rahmenbedingungen war auch in dieser Hinsicht eine Premiere.

Ganz besondere Sorgfalt hat die BaFin wohl auch deshalb walten lassen: Pikanterweise hat ausgerechnet der heutige Versicherungschefaufseher Frank Grund vor einigen Jahren den zur Diskussion stehenden Basler-Bestand in seiner Zeit als Vorstandschef dieses Versicherers in den Run-off geschickt. Nicht zuletzt deshalb wären künftige Kundenbeschwerden aus den Reihen der Basler-Policeninhaber oder vergrätzte Verbraucherschützer fatal.

Die BaFin musste bei ihrer Entscheidung Standards setzen. Denn die Übertragung könnte der Auftakt zu einer ganzen Reihe weiterer Transaktionen sein. Mit der Übernahme der Arag Leben hat die Frankfurter Leben bereits einen zweiten Deal bei der Aufsicht angemeldet. Und auch die Konkurrenz steht parat. Die Heidelberger Leben wirbt als reine Run-off-Plattform um Bestände, und Ergo-Chef Markus Rieß hat öffentlich schon mit dem Gedanken gespielt, die Victoria Leben zu einer Plattform umzubauen.

Das Interesse an weiteren Transaktionen ist auf allen Seiten groß. Für die Run-off-Plattformen wird das Geschäft attraktiver, je mehr Volumen hereinkommt und Größenvorteile verschafft. Und so mancher Versicherer könnte ein kapitalbindendes Sorgenkind halbwegs elegant zur Adoption freigeben.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Antje Kullrich

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