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Börsen-Zeitung: Es lebe der Euro!

Archivmeldung vom 26.05.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 26.05.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Hallo, aufwachen, liebe Bundesregierung! Eine solche Chance darf man doch nicht verpassen. Da entwickelt EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy zur Rettung Eurolands die grandiose Idee einer Euro-Staatsanleihe, findet sogar die Unterstützung des Eurogruppen-Chefs Jean-Claude Juncker - und die deutsche Regierung nimmt diese Steilvorlage nicht auf.

Nun weiß zwar seit dem Wochenende die ganze Welt, dass das Verwandeln von Steilvorlagen keine Stärke der Deutschen ist, aber wenigstens der Champion-Titel als Exportweltmeister rückte doch wieder in greifbare Nähe.

Auch finanztechnisch beweist der Vorschlag Raffinesse. Denn im Grunde handelt es sich bei diesem Finanzierungsinstrument ja um eine Bonitätsleihe durch die EU-Kommission, bei der dann die deutsche Bonität leerverkauft wird. Umso unverständlicher, dass unser Bundeswirtschaftsminister die Idee aus Brüssel wegen "falscher Anreize" ablehnt. Für die deutsche Wirtschaft jedenfalls könnte der Reiz nicht größer sein: Die Euro-Anleihe verwischt und vermischt die Länderbonitäten, Deutschlands Refinanzierung verteuert sich, die Zinslast steigt, die Schuldenbremse greift nicht und der Euro-Kurs rutscht weiter ab. In der Folge wird Deutschlands exportierende Wirtschaft noch wettbewerbsfähiger auf den Weltmärkten, und China muss den uns gerade abgeluchsten Titel Exportweltmeister wieder herausrücken. Und in Europa und unserem Heimatmarkt Euroland sind wir Deutsche ja bisher schon die Gewinner der gemeinsamen Währung, wie uns jetzt Kommissionspräsident Barroso in einem Zeitungsinterview maliziös vorgerechnet hat: 86% des deutschen Handelsüberschusses von 134 Mrd. Euro stammen aus EU-Ländern.

Die sprunghafte Zunahme von Zinslast und Staatsverschuldung wird für uns Deutsche zwar gewöhnungsbedürftig sein, muss uns aber nicht wirklich stören, schließlich haben wir dann ja das Instrument der Euro-Staatsanleihen. Sollte dieser in Brüsseler Kreisen auf 4000 Mrd. Euro geschätzte Markt mal nicht so groß und liquide sein, dann gibt es immer noch die Europäische Zentralbank. Als Bad Bank Eurolands wird sie sich glücklich schätzen, ihrem Portfolio aus griechischen, portugiesischen, italienischen und spanischen Staatsanleihen noch Euro-Staatsanleihen beimischen zu dürfen. Es lebe der Euro und der EU-Ratspräsident!

Quelle: Börsen-Zeitung

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