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Börsen-Zeitung: Schon im WM-Fieber?

Archivmeldung vom 16.05.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 16.05.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott

Haben wir etwas übersehen? Das Dividendenversprechen der Commerzbank für 2018 ist alt, der Ausblick unverändert. Dass das Geschäft mit Anlage- und Finanzprodukten samt Marketmaking als wesentlicher Teil des ehemaligen Bereichs Equity Markets & Commodities (EMC) im Schaufenster steht und es Interessenten dafür gibt, unterlag schon lange nicht mehr dem Bankgeheimnis. Die Andeutung von Finanzvorstand Stephan Engels, wonach eher Portfolien statt einer kompletten Rechtseinheit verkauft werden dürften, stellt aus Sicht der Gelben das ungünstigere Szenario dar.

Die Ertragsentwicklung ist nur so lala, namentlich im Firmenkundensegment muss sie enttäuschen, zumal angesichts rund 1 000 hinzugewonnener Kunden. Bei der BayernLB, die ebenfalls am Dienstag über den Jahresauftakt berichtete, lief zum Beispiel das Geschäft mit Kapitalmarktprodukten für Firmenkunden gut; die Commerzbank klagt hier über verhaltene Nachfrage. Und die Aufwandsquote liegt insgesamt bei unerquicklichen gut 84 %. Ist das der Stoff, aus dem die Träume von Aktionären und Analysten sind? Oder ist der Markt schon im WM-Fieber, nachdem Jogi Löw seinen vorläufigen Kader nominiert und die Commerzbank ihre neue Kampagne mit dem Deutschen Fußball-Bund gestartet hat?

Was sonst könnte die Investoren so gnädig gestimmt haben, die Aktie des angehenden Technologieunternehmens Commerzbank am Tag des Zwischenberichts einen Sprung von fast 4 % aufs Börsenparkett legen zu lassen? Einmaleffekte aus einer Steuerprüfung, die den Obolus an den Fiskus gegen null tendieren lassen, sowie aus der Veräußerung von Aktivitäten und einer Beteiligung können doch nicht derart Eindruck gemacht haben. Oder hat das Publikum sein Anspruchsniveau spürbar gesenkt? Die Eigentümer der Bank an ihrer Seite hatten sich ja dieser Tage schon auf der Hauptversammlung geradezu handzahm gezeigt.

Vielleicht resultiert die Milde aus der Erkenntnis "schlimmer geht immer". Dann könnte - das ist gar nicht mal zynisch gemeint - der Kontrast zu den blauen Nachbarn zu einer solchen Kursavance wenigstens beigetragen haben. Die Commerzbank hat ja eine Strategie. Ihre Pläne hält sie cum grano salis ein, ihre Wachstumsambitionen untermauert sie sogar noch. Die neue Erfolgskennziffer "Kreditvolumen Firmenkunden", die bis Ende 2020 eine Steigerung um 8 Mrd. auf mehr als 85 Mrd. Euro vorgibt, zeugt jedenfalls von Offensivgeist. Nicht zuletzt in diesem Geschäft tobt ein unerbittlicher Konditionenkampf.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Bernd Wittkowski

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