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WAZ: Kartell des Schweigens

Archivmeldung vom 10.03.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 10.03.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Ein gewisses Maß an Verständnis für die Verantwortlichen im Fußball könnte man auf den ersten Blick ja noch aufbringen: Wer reißt sich schon darum, mitten im Schiedsrichter-Skandal, mitten in einer Affäre, in der es auch um Sex unter Männern geht, mit seiner Meinung an die Öffentlichkeit zu gehen?

Aber das ist ja nur die halbe Wahrheit, wenn es in einem der letzten Reservate der Männlichkeit um Homosexualität geht. Auf den Rängen deutscher Stadien wird munter diskriminiert und verteufelt, "schwul" ist das Synonym für alles, was abgelehnt wird. Homosexuelle Fußballer verstecken sich hinter ihrem Doppelleben als lebten wir noch im Jahr 1950. Und DFB-Präsident Theo Zwanziger, für seine Reden gegen Schwulenfeindlichkeit hoch gelobt, macht ausgerechnet in der Schiri-Affäre eine klägliche Figur und befeuert ungewollt, dass Homosexualität und sexueller Missbrauch miteinander vermischt werden. Und die Vereine schweigen. Dabei müsste jedem klar sein, dass sich das Thema nicht ewig unterdrücken lässt. Männer wie Felix Magath oder Jürgen Klopp, die zu vergleichsweise belanglosen Themen wie einem Chip im Ball immer etwas zu sagen haben, werden eines Tages Stellung beziehen müssen. Besser, sie wären mutig voran gegangen statt sich wie zurzeit dem Kartell des Schweigens anzuschließen.

Quelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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