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Börsen-Zeitung: Aufschwung auf der Kippe

Archivmeldung vom 25.05.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 25.05.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Die Angst vor dem "Double Dip" ist zurück. Ökonomen spielen auf ihrer Klaviatur derzeit die Szenarien eines erneuten Konjunkturabsturzes durch. Dabei hatte sich die Wirtschaft gerade erst wieder gefangen. Ausdruck der neuen Absturzbefürchtungen sind die Reaktionen der Finanzmärkte auf die jüngsten enttäuschenden Wirtschaftsindikatoren: Sowohl der Ifo-Index für Deutschland als auch der Einkaufsmanager-Index für die Eurozone sind zum Wochenende schwächer als erwartet ausgefallen.

Konkret machen den Finanzmarktanalysten vor allem die gemeinsamen Sparanstrengungen der Regierungen in Europa Angst. Nun heißt es plötzlich, der synchrone Schuldenabbau werde das Wachstum einbrechen lassen. Der Chef der Industrieländerorganisation OECD, Angel Gurria, sah sich schon veranlasst, Deutschland vor "blinder Sparwut" zu warnen.

Aber waren es nicht dieselben Ökonomen, die zuletzt zur Bewältigung der Schuldenkrise und zur Stützung des Euro noch weitere Sparanstrengungen gefordert und für den Fall des (erwarteten) Scheiterns der Konsolidierung das Monster der Inflation an die Wand gemalt hatten? Nur mit einer solideren Haushaltsführung aller Länder sei die Eurozone zu retten, hieß es. Der seinerzeit orchestrierten Argumentation zufolge sollte die Konsolidierung keine Gefahr für das Wachstum darstellen, weil ja wegen der solideren Staatsfinanzen das Vertrauen der Märkte zurückkehre. Die Wirtschaft werde dann die vom Staat hinterlassene Lücke füllen.

Die veränderte Argumentation der Ökonomen mag für sich genommen jeweils nachvollziehbar und in sich stimmig sein, ihr Hang zur Dramatisierung und ihr bisweilen selbstreferenzielles Verhalten kann die Realwirtschaft aber tatsächlich aus den Angeln heben - allein, weil sie die schiere Macht der Finanzmärkte hinter sich wissen. Denn wenn das Vertrauen in eine gedeihliche Entwicklung zerredet wird, Zukunftsängste geschürt werden, genügt es bereits, wenn Investoren auch nur in Warteposition gehen. Schon zeigt sich eine Delle in den Konjunkturindikatoren - die wiederum erneute Warnungen rechtfertigt. In dieser gefährlichen Phase befindet sich die Wirtschaft in Euroland nun. Der Aufschwung wackelt. Er wird regelrecht kaputt prognostiziert, nur weil die Herde der Ökonomen plötzlich eine neue Richtung eingeschlagen hat.

Quelle: Börsen-Zeitung

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