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Mittelbayerische Zeitung: zum bezahlen per Handy

Archivmeldung vom 04.04.2017

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 04.04.2017 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott

Und wieder wird unsere Welt ein Stück weit bequemer. Dieses Mal helfen uns die Banken, die Kreditkartenunternehmen und die ganze Schar der Big-Data-Unternehmen - die haben darin große Übung. Es geht ums Bezahlen. So einfach wie noch nie soll es werden, schnell, unkompliziert, sicher. Sicher ist auch: Das ist nur ein Teil der Wahrheit. Und wenn der wahre Teil einer Botschaft recht klein ist, dann kann man durchaus von Irreführung, Täuschung oder sogar Lüge sprechen.

Im Falle der neuen Verheißungen rund ums Bezahlen geht es jedenfalls definitiv weniger darum, den Kunden mehr Komfort zu bieten. Das ist nur das Vehikel, um andere Ziele zu erreichen. Die da einfach lauten: Kosten sparen, mehr Daten gewinnen und damit zusätzliche Geschäfte machen. Dieser Tage fügen sich einige Nachrichten in diesem Zusammenhang wunderbar zueinander. Eben die Ankündigung, dass das Bezahlen per Smartphone auch in Deutschland bald möglich sein wird. Dieses Szenario ist nah.

Die Deutsche Bank startet mit einer mobilen Zahlungsfunktion per Smartphone. Auch von Apple gibt es Signale, dass Apple Pay sehr bald auch bei uns starten könnte. Die Sparkassen streben an, dass Ende 2017 die Kreditkarte ins Handy wandert, die Genossenschaftsbanken folgen auf dem Fuß. Und dann die Hinweise der Banken, dass sie für dies und das nun Gebühren erheben werden, weil sie schließlich mit irgendetwas Geld verdienen müssen - was mit den kaum vorhandenen Zinsen nur sehr sparsam funktioniert.

Ein Ende der Umsonstkultur sieht Bundesbank-Vorstand Dombret bei Banken nahen. Das Wort "Umsonstkultur" klingt wenig schmeichelhaft. Es impliziert, dass jemand eine Leistung in Anspruch nehmen will, ohne dafür zu bezahlen. Ganz schön dreist, oder? Es stimmt schon: Früher waren wir gewohnt, dass Kontoführung oder Überweisungen extra kosten. Die kostenlosen Girokonten gibt es noch nicht ewig, aber lange genug, um als selbstverständlich zu gelten. Nun kann man Geld nur für Produkte verlangen, die attraktiv sind.

Der Kunde muss bereit sein, dafür zu bezahlen. Es wird eines nicht mehr fernen Tages dazu kommen, dass Bargeldabhebungen Geld kosten werden. Denn es gibt massive Interessen, uns das Bargeld abzugewöhnen. Mit dem Argument der Bekämpfung von Kriminalität zündet man dabei eine Nebelkerze. Eine Reihe von Maßnahmen zielen ja längst in diese Richtung: Obergrenzen für Barzahlungen, Abhebegrenzen an Automaten, die Abschaffung großer Scheine.

Wer diese Interessen durchschaut, der wird tatsächlich einen Mehrwert darin sehen, Bargeld in der Hand zu haben. Künftig zahlen wir also nicht nur beim Surfen im Netz, beim Online-Einkauf, bei Inanspruchnahme einer Kundenkarte oder gar von Payback mit unseren Daten, sondern auch in weit größerem Ausmaß als bisher bei der Bank. Die Geldhäuser wollen die Kunden in ein für sie preisgünstigeres System zwingen, das ihnen mit den gewonnenen Daten noch bessere Geschäftsmöglichkeiten eröffnet.

Daten sind das Gold unserer Zeit, die heißeste Handelsware der Gegenwart. In Zukunft wird unsere Datenspur noch breiter, mit der Offenheit aller Zahlungsvorgänge sind wir durchschaubarer denn je. Dabei sollte wir uns keiner Illusion hingeben: Schon heute ist das kaum anders. Die Herrschaft über unsere Daten haben wir längst verloren.

Google, Amazon und Visa können unser Verhalten in vielen Bereichen bereits besser vorhersagen als unsere Lebenspartner. Überlassen Sie Entscheidungen ihrem Computer mit dem Argument "du kennst mich ja", er wird Sie selten enttäuschen. Wen diese Welt nicht schreckt, der gebe sich den Segnungen des umfassenden digitalen Bezahlens hin. Wer sich bei dem Gedanken nicht besonders wohlfühlt und denkt, dass ohne Privatsphäre Demokratie unmöglich ist, nehme auch mal Bargeld zur Hand.

Quelle: Mittelbayerische Zeitung (ots)

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