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Börsen-Zeitung: Spiel der großen Zahlen

Archivmeldung vom 02.12.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 02.12.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Was sich gestern am Markt für die staatlichen Kreditrisiken abgespielt hat, sieht man nicht alle Tage. Die Spreads der Absicherungskontrakte Credit Default Swaps (CDS) engten sich enorm ein, d.h. die Absicherungskosten gingen erheblich zurück. Für die Absicherung portugiesischen Staatskreditrisikos mussten noch 477 Basispunkte (BP) und damit sage und schreibe 75 BP weniger als am Vortag bezahlt werden.

Das entspricht einer Reduktion um mehr als 13%, und das bei einem EU-Land, das am Markt als nächster Rettungskandidat eingestuft wird. Eine ähnliche Größenordnung war bei der Spread-Einengung der Spanien-CDS zu beobachten. Auch die CDS anderer Peripheriestaaten handelten mit deutlich engeren Spreads.

Hinter den enormen Marktbewegungen hin zu deutlich geringeren Absicherungskosten stand nur eine einzige Spekulation, die den gesamten Markt in Aufruhr versetzte: Die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Zentralbanken der Eurozone werden möglicherweise ihr Volumen an Staatsanleihekäufen ausweiten, und zwar drastisch. Am Markt begann bereits das Spiel der großen Zahlen. Es wurde schon das Wort Billion in den Mund genommen. Dahinter steht die Spekulation, dass die EZB zusammen mit den Notenbanken über gewaltige Aufkaufvolumina für eine endgültige Beruhigung der Märkte in Sachen Staatsschuldenkrise sorgen könnte. Dafür müsste es aber wahrlich schon ein riesiges Ankaufprogramm sein.

Die Verunsicherung war ausgesprochen hoch. Wie viele Banken offenbar auf einen derartigen Schritt der EZB setzten, war noch andernorts abzulesen, nämlich bei der Aufstockung einer fünfjährigen Bundesobligation. Die Banken hielten zwar nicht gerade die Taschen zu, aber angesichts der nervösen Marktsituation hatte der Bund erneut eine Unterdeckung zu verkraften: Die Gebotsvolumina der Institute lagen unter dem Emissionsvolumen. Es ist nun schon die zweite Unterdeckung bei einer Auktion von Bundeswertpapieren innerhalb von nur einer Woche. So etwas hat es noch nie gegeben. Ohne Frage leitet sich daraus für den Bund kein Gefahrenszenario ab, denn bei einem Gesamtemissionsvolumen von 312 Mrd. Euro in nominalen Anleihen des Bundes in diesem Jahr entspricht die Unterdeckung gerade einmal 0,14% des Jahresvolumens. Eine deutliche Sprache hinsichtlich der Marktunsicherheit spricht der Vorfall aber allemal.

Quelle: Börsen-Zeitung

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