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Klare Signale

Archivmeldung vom 05.05.2022

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 05.05.2022 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić

50 Basispunkte! Die US-Notenbank erhöht den Leitzins um einen halben Prozentpunkt - in dieser Größenordnung erfolgte dies zuletzt im Mai vor 22 Jahren, seitdem gab es immer nur die allseits bekannten Trippelschritte um 25 Basispunkte. Das sind nun klare Signale.

Wenn die Fed um 50 Basispunkte erhöht, zeigt sie, dass sie es ernst meint mit dem Kampf gegen die Inflation, ansonsten hätte sie ja "nur" um 25 Basispunkte angehoben. Das ist das eine Signal. Ein zweites Signal ist, dass die Fed bisher wohl doch zu zaghaft gewesen ist, die Inflationsentwicklung womöglich unterschätzt hat, zu sehr auf ein temporäres Phänomen der Teuerungsentwicklung gesetzt oder vermutlich auch gehofft hat. Insofern darf die Erhöhung des US-Leitzinses als gewisse Kehrtwende in der Lageeinschätzung verstanden werden. Ob diese Kehrtwende zu einer nun stärkeren Straffung der geldpolitischen Zügel richtig ist, wird sich erst zeigen. Die Entscheidung ist auf jeden Fall Wasser auf die Mühlen all derjenigen, die sowieso seit Wochen und Monaten eine schärfere Gangart der Notenbanker dies- und jenseits des Atlantiks fordern.

Und wie so oft im Leben gibt es ein Aber. So sehr wie dieser US-Zinsschritt die Befürworter in ihrer Argumentation, dass die Notenbanken im Kampf gegen die Inflation handeln müssen, unterstützt, so sehr liefert der Schritt auch Argumentationshilfe für die Gegenpartei der Konjunkturpessimisten.

Und in diesem Zusammenhang lohnt ein Blick auf die Entwicklungen am Bondmarkt. Monatelang - angefangen in der Pandemie und später während des gerade aufgekommenen Ukraine-Krieges - haben die Bondrenditen angezogen. Die zehnjährige Bundrendite hat ja gerade erst in dieser Woche erstmals seit sieben Jahren wieder das Niveau von 1 % erreicht. Inflationssorgen waren der Treiber. Mehr und mehr werden diese Sorgen im Bondhandel aber von Konjunkturpessimismus aufgrund des Ukraine-Krieges abgelöst. Die konjunkturellen Kriegsauswirkungen sind natürlich zuerst für Europa spürbar und erst nachgelagert für die USA. Der Markt preist aber zunehmend eine Rezession ein, für Europa und auch für die US-Wirtschaft. Abzulesen ist dies an den zwischenzeitlich invertierten Zinskurven für die USA und der enorm flach gewordenen Kurve der Bundesanleihen, die Rezessionen bzw. konjunkturelle Abschwächungen in der Vergangenheit signalisierten. Und genau diese Tendenzen könnten durch eine scharfe Gangart, wie sie jetzt von der Fed eingeschlagen wurde, noch verschärft werden. Die unangenehme Kehrseite der Inflationsbekämpfung.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Kai Johannsen

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