Direkt zum Inhalt Direkt zur Navigation
Sie sind hier: Startseite Meinungen/Kommentare In die Vollen

In die Vollen

Archivmeldung vom 28.04.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 28.04.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott

Just in dem Moment, in dem sich auch der letzte Beobachter darauf eingestimmt hatte, dass die Deutsche Bank ihre Verlustserie fortsetzen würde, fährt das Institut wieder einen Gewinn ein - mitten im Konzernumbau und am Beginn der vermutlich größten Wirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte scheint der Ertragsschwund überwunden zu sein.

Erwartungsgemäß deutet Vorstandschef Christian Sewing die positive Entwicklung als Beleg für die Fortschritte des unter seiner Ägide eingeleiteten Umbaus. Lässt man die Quartalssaison der US-Banken Revue passieren, drängt sich eine andere Lesart auf. Auch bei den Wettbewerbern auf der anderen Seite des Atlantiks war zu beobachten, dass sich die globale Katastrophenstimmung infolge der Pandemie zumindest für den Moment keineswegs nur negativ auf das Bankgeschäft auswirken muss. Einige US-Institute haben wegen der gestiegenen Volatilität ebenfalls spürbare Ertragszuwächse verbucht.

Sofern diese nicht wie im Fall der Citigroup durch eine massive Erhöhung der Rückstellungen für unbezahlte Kreditkartenrechnungen konterkariert wurden, führt dies zum Teil zu sehr ansehnlichen Ergebnissen, etwa bei Morgan Stanley. Daher liegt der Verdacht nahe, dass die erfreuliche Geschäftsentwicklung bei der Deutschen Bank weniger ihrem neuen Kurs als vielmehr ihrer alten Leidenschaft, dem Kapitalmarktgeschäft, geschuldet ist. Schließlich gehört sie auch nach drastischen Einschnitten noch immer zu den Topadressen im Handel mit Anleihen und Devisen.

Die dramatischen Verwerfungen an den Märkten dürfte ihr wie so manchem US-Wettbewerber eine Sonderkonjunktur in diesem Geschäftsfeld beschert haben. Steigende Handelsumsätze lassen die Kasse klingeln, und ein drastischer Kurseinbruch wie der Corona-Crash Anfang März belebt die Nachfrage nach Absicherungsgeschäften. Darauf bauen, dass das Geschäft auf Dauer floriert, sollte man nicht.

Deshalb sollten die Investoren hellhörig werden, wenn die Deutsche Bank ankündigt, ihre Kapitalplanung zumindest temporär außer Acht zu lassen, um bei der Kreditvergabe in die Vollen gehen zu können. Das passt zwar in das von Sewing beschworene Bild einer Deutschen Bank, die Verantwortung für die heimische Wirtschaft übernimmt. Angesichts der noch immer moderaten Risikovorsorge und der Tatsache, dass sich die Folgen der Krise bestenfalls erahnen lassen, könnte es sich jedoch als Wette erweisen, dass der Staat einen massenhaften Ausfall von Krediten verhindert.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Anna Sleegers

Videos
Inelia Benz über Krankheit und Tod
Inelia Benz über Krankheit und Tod
Inelia Benz: "Was wäre, wenn...?"
Inelia Benz: "Was wäre, wenn...?"
Termine
Newsletter
Wollen Sie unsere Nachrichten täglich kompakt und kostenlos per Mail? Dann tragen Sie sich hier ein:
Schreiben Sie bitte latent in folgendes Feld um den Spam-Filter zu umgehen

Anzeige