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BERLINER MORGENPOST: Es gibt gute Gründe, an die Nationalelf zu glauben

Archivmeldung vom 19.06.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 19.06.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Eine der berühmten wie viel zitierten Weisheiten des großen Fußball-Trainers Sepp Herberger lautete: "Die Leute gehen zum Fußball, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht." Gestern glaubten die Leute zu wissen, wie das Spiel ausgehen würde. Deutschland schlägt Serbien, alles andere schien nach dem 4:0-Auftaktzauber über Australien jenseits der Vorstellungskraft.

Berlins Straßen waren zur Mittagszeit in Schwarz-Rot-Gold getaucht, viele Chefs hatten ihren Angestellten einen verfrühten Start ins Wochenende gegönnt, und in den Tipprunden variierte nur noch die Höhe des Favoritensieges. Doch Herberger behielt leider recht. Es kam anders als geplant. Deutschland kassierte eine historische Niederlage. Zum ersten Mal seit 24 Jahren verlor die Nationalmannschaft ein WM-Vorrundenspiel, damals in Mexiko mit 0:2. Geschadet hat es nicht, Deutschland schaffte es ins Finale. So war es übrigens, daran werden sich Jüngere besser erinnern, vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft. Ein solcher Weg ist auch diesmal noch möglich, und es gibt gute Gründe, an ihn zu glauben. Die deutsche Mannschaft hat zwar einen Rückschlag erlitten, aber weder enttäuscht noch ihre Ideale verraten. Es lohnt sich mehr denn je, mit dieser jungen Truppe zu fiebern, der die Abkehr vom körperbetonten Teutonenfußball gelungen ist. Diese Spieler wollen nicht nur gewinnen, sie wollen ihre Anhänger auch verzaubern. So auch gestern. Als die Mannschaft nur noch zu zehnt war, zeigte sie Herz und Moral. Deutschland hat verloren, sich aber nicht blamiert, wie es etwa die Franzosen mit ihren pomadigen Auftritten getan haben. Deshalb sollte jetzt nicht wieder alles infrage gestellt werden, was eben noch richtig war. Wer Großes gewinnen will, muss das Gefühl der Niederlage kennen. Wer Risiko einfordert, muss ertragen können, dass etwas schiefgehen kann. Und wer junge Spieler fördern will, muss erwarten, dass sie Fehler machen, und ihnen die Möglichkeit geben, aus ihnen zu lernen. Zumal es allzu falsch wäre, das gestrige Scheitern auf den fortwährenden Jugendwahn zu schieben. Waren es doch die wenigen erfahrenen Spieler, die für die Niederlage verantwortlich zeichneten. Miroslav Klose flog nach einer Dummheit vom Platz, wie sie einem 19-Jährigen zu verzeihen gewesen wäre, nicht aber einem 32 Jahre alten Routinier. Und auch den Elfmeter verschoss kein junges Nervenbündel, sondern Lukas Podolski in seinem 75. Länderspiel. Am Mittwoch spielt die deutsche Mannschaft gegen Ghana um den Einzug ins Achtelfinale. Wir werden uns das Spiel diesmal mit einer geringeren Siegessicherheit ansehen und dafür vielleicht umso mehr mitzittern. Immer mit dem Wissen, dass auch Sepp Herberger bei der WM 1954 ein Vorrundenspiel verlor. 3:8 ging die deutsche Mannschaft damals gegen Ungarn unter. Es folgte Deutschlands erster Weltmeistertitel.

Quelle: BERLINER MORGENPOST

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