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Börsen-Zeitung: Bedingt traumhaft

Archivmeldung vom 16.05.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 16.05.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott

Traumhaft - derart könnte man momentan vieles bezeichnen: Die Frühlingsblumen blühen, die Tage werden länger, die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat die ersten drei WM-Spiele gewonnen, und die hiesige Wirtschaft hat im ersten Quartal mit 0,4 Prozent kräftiger zugelegt, als noch vor einigen Wochen möglich schien. Zu sehr ins Träumen geraten sollte man aber dennoch nicht.

Auch wenn die Grundlagen des Wachstums - robuster Arbeitsmarkt, Lohnzuwächse und niedrige Zinsen - anhaltend verheißungsvoll sind, gilt zu beachten, dass sich bei den Risikofaktoren ebenfalls nichts Großes getan hat. Der Brexit? Dem Gruselfaktor entsprechend bis maximal Halloween verschoben. Anfang Juni will Premierministerin Theresa May abermals - zum vierten Mal bereits - über ihren Brexit-Deal abstimmen lassen, eine Mehrheit ist aber weiter nicht in Sicht. Der sino-amerikanische Handelsstreit? Droht erneut zu eskalieren angesichts der jüngst in Kraft gesetzten bzw. angedrohten neuen Zölle.

Überhaupt ist US-Präsident Donald Trump derzeit der konjunkturelle Risikofaktor Nummer 1. Bis Sonnabend dieser Woche muss er eine Entscheidung bezüglich der im Raum stehenden US-Zölle auf Autoimporte aus der EU treffen - und sei es, dass er nur eine neue Frist setzt. Die wichtige deutsche Automobilbranche ist Hauptbetroffener dieses Machtgehabes. Auch das einseitig von den USA aufgekündigte Iran-Abkommen und die neu verhängten Sanktionen haben Auswirkungen auf unsere Wirtschaft, nicht zuletzt über die Ölpreise. Solche Unsicherheitsfaktoren sind Gift für die dringend nötigen Investitionen seitens Unternehmen und privater Haushalte.

Aber auch die Uneinigkeit der Groko ist als Risikofaktor zu benennen. Dass die nicht mehr ganz so dynamische Wirtschaft die Steuereinnahmen weniger stark sprudeln lässt als in den vergangenen Jahren, darf kein Argument sein, nun bei den Investitionen auf die Bremse zu treten. Bildung, Forschung und die Digitalisierung gilt es zu unterstützen, um die Konjunktur am Laufen zu halten. Auch in Sachen Steuerrecht und Energiepolitik wäre Stillstand ein Alptraum für die Wirtschaft.

Sehr viel hängt nun davon ab, wie sich das außenwirtschaftliche Umfeld entwickelt. Insbesondere die stark exportabhängige Industrie ist derzeit das Sorgenkind der deutschen Wirtschaft und hofft auf ein Wiederanlaufen der chinesischen Konjunktur. Noch können Dienstleister, Bau und privater Konsum die Schwäche der Industrie ausgleichen - verlassen darf man sich darauf aber nicht.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots)  von Alexandra Baude

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