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Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) schreibt zu der Diskussion um Managergehälter

Archivmeldung vom 29.04.2008

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 29.04.2008 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

»Fünf Millionen im Jahr sind zu wenig«, sagt Philipp Lahm, der deshalb seinen Arbeitgeber, den FC Bayern München, verlassen möchte. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking erhält schätzungsweise das Zwölffache. Da könnte am Ende sogar noch der Chef der Deutschen Bank vor Neid erblassen.

»Ist das gerecht?«, fragen die Sozialromantiker in den Parteien. »Nein«, antwortet das Volk. Und das Volk hat Recht. Es ist nicht gerecht, dass die Friseurin in Sachsen-Anhalt nur einen Mindeststundenlohn von 3,50 Euro erhält. Es ist nicht sozial, dass die Schere von Arm und Reich seit einiger Zeit weiter auseinander geht. Aber wo ist die Alternative? Bislang weigert sich das Volk hartnäckig, keine Fußball-Bundesligaspiele mehr zu besuchen. Auch setzt Porsche jährlich nach wie vor mehr und nicht weniger Sportfahrzeuge ab. Warum sollte man also Lahm und Wiedeking den Erfolg neiden? Selbst die SPD geht nicht so weit, als Gegenstück zum Mindest- einen Maximallohn zu fordern. Stattdessen will sie die Unternehmen bestrafen, die ihren Spitzenkräften so hohe Gehälter bezahlen. Der Vorschlag, die Abzugsfähigkeit ab einer Summe von einer Million Euro zu halbieren, klingt unverfänglicher als die Forderung, den Spitzensatz bei der Einkommenssteuer wieder zu erhöhen. Beide Ideen laufen aber, sofern der SPD-Vorschlag überhaupt mit dem geltenden Steuersystem in Übereinstimmung gebracht werden kann, auf das gleiche Ergebnis hinaus. Schwieriger wird die Argumentation, wenn statt eines Zugewinns und Schaffung von Arbeitsplätzen eine erwiesene Erfolglosigkeit mit hoher Abfindung belohnt wird. Das ist dann tatsächlich ein Ärgernis. Gleich kommen die Forderungen: Das muss man verhindern. Das muss man kontrollieren. Das muss man regeln. Verhindern können dies die Aufsichtsräte. Daher sollen alle - und nicht nur ein ausgesuchtes Gremium - über die Gehälter ihrer Spitzenmanager befinden. Und alle sollen ihre Entscheidung vor der Hauptversammlung rechtfertigen und sich im Falle grober Pflichtverletzung auch vor Gericht verantworten müssen. Auf diesen Teil der SPD-Forderungen sollte sich vielleicht sogar die Große Koalition verständigen können. Der Rest ist Popanz, Symbol, Effekthascherei. Da kreist der bürokratische Berg. Und wenn er nur eine Maus gebiert, freut sich die Partei der Linken, die jetzt schon mit weitergehenden Forderungen nachlegt. Der Friseurin in Sachsen-Anhalt wäre nicht wirklich geholfen, wenn die Stars aus Management, Sport und Showbiz ein paar Millionen weniger einsteckten. Aber ihr Gerechtigkeits- und Lebensgefühl verlangen danach. In einer Gesellschaft, in der sich der »Wert« des Einzelnen stark an der beruflichen Stellung festmacht, darf der Unterschied bei den Einkommen nicht ins Astronomische steigen. Einige schwarze Schafe in der Wirtschaft haben dafür gesorgt, dass das Vertrauen der Bevölkerung zurückging. Nun muss die Wirtschaft selbst die Dinge ins Reine bringen. Die Zeit sollte ihr die Politik einräumen.

Quelle: Westfalen-Blatt

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