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Börsen-Zeitung: Wer rettet den Euro?

Archivmeldung vom 07.05.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 07.05.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Kann man noch von Spekulation gegen den Euro reden, wenn sogar der deutsche Finanzminister von einer "wirklich fundamentalen Krise" spricht und öffentlich äußert, dass die Stabilität der Gemeinschaftswährung auf dem Spiel stehe? Aus Spekulation wird schon bald Gewissheit, wenn die Verantwortlichen nicht umgehend Zeichen setzen, um das erodierende Vertrauen in den Euro und die Zukunft der EU zurückzugewinnen.

Aber welche Verantwortlichen? Solange es nationale Währungen gab, konnten nationale Regierungen und Notenbanken mit klarer Ansage und konsequentem Handeln der Spekulation den Wind aus den Segeln nehmen. Dem Euro fehlt die hinter der Währung stehende politische Institution und Macht. Beide "Mister Euro", Jean-Claude Juncker als Chef der Eurogruppe und Jean-Claude Trichet als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), sind kläglich gescheitert, als es ernst wurde. Beide sind ihren Grundsätzen untreu geworden und haben dem Vertrauensverlust Vorschub geleistet. Juncker bereitete beflissen den Weg Eurolands von der Stabilitäts- zur Haftungsgemeinschaft, Trichet opferte die Glaubwürdigkeit der EZB auf dem Altar der Griechenland-Hilfe.

Die Politiker in Europa, die sich nach der Lehman-Pleite so erfolgreich - weil entschlossen - einem globalen Finanzcrash und Bankrun entgegenstellten, versagen nun in eigener Sache. Die nationalen Regierungen, allen voran die deutsche, verlieren sich in innenpolitischem Detailstreit, anstatt nun nach dem hellenischen Sündenfall den Märkten glaubwürdig die einfache Botschaft zu vermitteln: Die Euro-Länder stehen ab sofort zusammen, komme, was da wolle.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte endlich erkennen, dass ihre Rolle jetzt nicht mehr die der "Madame Non" ist, sondern die der "Ms. Euro". In Krisenzeiten ist sichtbare Führung gefragt, nicht Hinterzimmertaktiererei. Denn in Brüssel, das ist in diesen Tagen wieder deutlich geworden, versteht man sich nur aufs Erbsenzählen und Fingerheben.

Wäre dies nicht die Stunde des deutschen Staatsoberhaupts? Anstatt Monstergeschichten über die Finanzmärkte zu verbreiten, sollte Bundespräsident Horst Köhler seinen gesammelten IWF-Sachverstand zusammennehmen und die politische Antwort Europas auf die ja auch von ihm kritisierte Spekulation orchestrieren.

Quelle: Börsen-Zeitung

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