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Börsen-Zeitung: Öffnung in Frankfurt

Archivmeldung vom 25.07.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 25.07.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott

Es ist der Beginn einer neuen Zeitrechnung in Frankfurt: Erstmals sollen die Marktteilnehmer Wahlfreiheit erhalten, ob sie ihre Aktien, die sie auf Xetra handeln, über die Deutsche-Börse-Tochter Eurex Clearing verrechnen lassen oder über ein anderes Clearinghaus gehen - im aktuellen Fall über den niederländischen Aktienclearer EuroCCP.

Noch steht die Zustimmung der zuständigen Aufsicht, also des hessischen Wirtschaftsministeriums, aus. Doch ist schwer vorstellbar, dass sich Gründe finden lassen, die den Antrag von EuroCCP und damit die Öffnung des Aktienclearings in Frankfurt zu Fall bringen könnten. Es ist in der Finanzmarktrichtlinie Mifid II beziehungsweise in der dazu gehörenden Verordnung Mifir vorgeschrieben, dass Handelsplattformen Zugang zu ihren Trade Feeds geben müssen - solange es nicht zu einer drastischen Liquiditätsfragmentierung oder zu einer Beeinträchtigung des ordentlichen Handelsablaufs kommt. Beides dürfte hier kein Thema sein.

Die neue Konkurrenz für Eurex Clearing wird erst durch Anwendung von Mifid II seit Anfang 2018 möglich. Was an anderen Handelsplätzen schon lange üblich ist, nämlich die Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Clearinghäusern, muss nun auch die Deutsche Börse anerkennen. Sie hatte dieses Thema bisher nicht prioritär behandelt. Es wird sich zeigen, welche Auswirkungen sich dann auf die Ergebnissituation des zentralen Kontrahenten für Aktien ergeben, der 2017 rund 20% der Nettoerlöse oder rund 35 Mill. Euro im Segment Xetra ausmachte.

Namentlich angelsächsische Marktteilnehmer haben sich schon lange immer wieder darüber beklagt, dass der Xetra-Handel nur mit einer Verrechnung über den von Eurex Clearing betriebenen zentralen Kontrahenten möglich ist. Die europäische Regulierung schneidet hier ein Türchen in das "Silo" der Deutschen Börse. Das auf einer starken Integration der verschiedenen Wertschöpfungsketten beruhende Geschäftsmodell der Deutschen Börse wird nun an einer Stelle leicht modifiziert, und Geschäft dürfte abwandern.

Ob damit der Handel von Aktien auf Xetra insgesamt günstiger wird, wie EuroCCP verspricht, muss sich zeigen. Die Summen, die für die Deutsche Börse auf dem Spiel stehen, sind mit Blick auf die überproportionalen Gewinnmöglichkeiten im Clearing von Derivaten - nicht zuletzt im Euroclearing - überschaubar. Gut ist aber, dass sich die Deutsche Börse nun mit mehr Wettbewerb auseinandersetzen muss. Das kann neue Kräfte freisetzen.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Dietegen Müller

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