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Lausitzer Rundschau: Frisch auf den Tisch . . .

Archivmeldung vom 02.10.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 02.10.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Wenn die zum Glück abklingende Magen-Darm-Epidemie etwas Gutes gehabt hat, dann dies: Die Debatte um den Wert des Schulessens in Deutschland wird endlich ernsthaft geführt. Frisch auf den Tisch? In vielen Schulen und Kitas ist das nur selten der Fall. Es herrscht Eintönigkeit auf den Tellern. Kaum einer wird mitbekommen haben, dass noch bis Ende Oktober die "Tage der Schulverpflegung" in Deutschland sind, die das Ernährungsministerium kräftig unterstützt.

Es geht um Werbung für gutes Essen, darum, wie es für die Schüler und Schülerinnen verbessert werden kann. Dass dies dringend notwendig ist, hat die Krankheitswelle offenbart. Anspruch und Wirklichkeit klaffen in der Schul- oder Kita-Kantine häufig auseinander. Das Essen soll gesund sein, gut schmecken, möglichst frisch gekocht werden und am besten noch aus Bio-Lebensmitteln bestehen. Nur teuer darf es nicht sein. Nach Abzug aller Kosten bleiben laut einer Studie pro Schüler maximal 1,50 Euro übrig für ein angeblich vernünftiges Mittagessen. Glaubt ein verantwortlicher Politiker, glauben auch die Eltern wirklich, mit einer solchen Marge ist eine ausgewogene Ernährung zu finanzieren? Auf gar keinen Fall. Die Politik kritisiert gerne die Billig-Kultur der Deutschen beim Lebensmitteleinkauf, sie warnt vor Dickmachern und Bewegungsmangel bei Kindern. Und sie will den Markt regionaler Lebensmittel weiter stärken. Alles prima und richtig. Doch dort, wo die Grundlagen für künftiges Ernährungsverhalten und für einen gesunden Lebensstil gelegt werden, bestimmen beschämend niedrige Subventionen und damit auch Kalkulationen den Alltag am Mittagstisch. Wegen des enormen Preisdrucks entscheiden sich viele Einrichtungen eben für den billigsten Anbieter - und der serviert nicht zwangsläufig das beste Essen. Wer will den Schulträgern das verdenken, wenn in der Kasse Ebbe herrscht? Hinzu kommt, dass der Trend zur Ganztagsschule in Deutschland ungebrochen ist. Sie sind per Gesetz dazu verpflichtet, ihren Schülern jeden Tag ein warmes Mittagessen anzubieten. Doch oft fehlen Räumlichkeiten, Ausrüstung, qualifiziertes Personal, damit sich Schulen oder Kitas überhaupt selbst versorgen können. Jedes Kind hat aber ein Recht auf gesunde Ernährung, und zwar unabhängig von seiner sozialen Herkunft. Dem muss gerade die Schule Rechnung tragen können. Jeder Euro, der dafür ausgegeben wird, fördert zudem ein Essverhalten, das die Gesundheit stärkt und damit auch im Interesse der Gesellschaft liegt. Ein Schulessen muss daher dem Staat endlich mehr wert sein als ein paar lapidare Euro. Nicht der Preis, sondern die Qualität muss der Maßstab aller Dinge sein. Auch wenn's teurer wird.

Quelle: Lausitzer Rundschau (ots)

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