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Börsen-Zeitung: Die Skepsis kehrt zurück

Archivmeldung vom 12.05.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 12.05.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Lange hat das Freudenfeuerwerk an den Märkten wegen des am Wochenende beschlossenen Rettungspakets für sämtliche Peripheriestaaten der Europäischen Union (EU) nicht angehalten. Am Dienstag war bereits alles vorbei: Der Euro, der am Montag noch über 1,30 Dollar kletterte, ist inzwischen wieder unter die Marke von 1,27 Dollar gefallen.

Zwar ist es den Regierungen der EU-Staaten gelungen, mit den Maßnahmen einen Absturz der Gemeinschaftswährung und eine extreme Ausweitung der Credit Spreads auf die Staatsrisiken der EU-Peripherie, wie sie sich am Freitag abzeichnete, kurzfristig zu verhindern. Dennoch reicht auch ein Paket im Volumen von 750 Mrd. Euro nicht aus, um das Vertrauen der Marktteilnehmer wiederherzustellen. So ist es durchaus wahrscheinlich, dass der Euro in den kommenden Wochen bis auf 1,15 oder 1,10 Dollar abrutscht und dass sich die Credit Spreads langsam, aber sicher ausweiten.

An den Märkten macht man sich gleich in mehrerlei Hinsicht erhebliche Sorgen. So wird befürchtet, dass durch das Rettungspaket die Haushaltsdefizite in der Eurozone noch weiter steigen, während die von den Maßnahmen profitierenden Länder eher weniger Anreize spüren, ihre Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen.

Ein weiteres Problem sind die Konjunkturaussichten, die sich durch die aktuelle Krise weiter verschlechtern. So hat die Ratingagentur Moody's unter Verweis auf die konjunkturelle Lage weitere Herabstufungen von Griechenland und Portugal angekündigt. Zudem ist den Marktteilnehmern klar, dass das Rettungspaket nur für maximal zwei Jahre ausreicht. Danach sind Staaten wie Griechenland in einer ähnlich schwierigen Situation wie vorher - nur eben mit noch mehr Schulden. Dies erklärt auch, warum es wohl nicht zu der erhofften Annäherung der Renditen der Anleihen der Krisenländer und der als sicherer Hafen dienender Bundesanleihen kommen wird.

Um das Vertrauen der Anleger in den Euro und die Staatsanleihen aller EU-Mitgliedsländer wiederherzustellen, bedarf es eines ganz großen Wurfs. Es gilt, die Regeln der EU vollständig zu reformieren, sodass Defizitsündern wie Griechenland künftig das Handwerk gelegt werden kann. Solange dies nicht erfolgt, wird an Europas Kapitalmärkten keine Ruhe einkehren.

Quelle: Börsen-Zeitung

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