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WAZ: Die EU und Merkel in Afrika: Neue Politik dringend gesucht

Archivmeldung vom 06.10.2007

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 06.10.2007 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Es sind so hübsche Bilder. PR-Profis wissen: Kinder ziehen immer, egal wann, egal wo, kleine farbige Mädchen mit ihren kugelrunden Augen und dem herzerfrischenden Lachen sowieso. Die Kanzlerin sitzt deshalb gut gelaunt in einer äthiopischen Schulklasse.

Der Tenor der Botschaft lautet für das Publikum in der Heimat: "Wir kümmern uns um Afrika, die Probleme Afrikas sind die Probleme Europas. Echte Partnerschaft usw. usw." Leider sind das die Platitüden, die verschleiern, dass der industrialisierte Norden mit dem riesigen Kontinent im Süden macht, was er will.

Zyniker (oder sind es Realisten?), die nicht in Merkels Regierungsjet sitzen, vermuten hinter der plötzlichen Reisediplomatie einen ganz besonderen Grund. China greift unverhohlen nach afrikanischen Rohstoffen und deshalb muss Europa schleunigst etwas tun, damit die eigenen Interessen gewahrt bleiben. Deshalb in Kürze der EU-Afrika-Gipfel in Portugal, deshalb die Reise von Merkel nach Äthiopien, Südafrika und Liberia.

Natürlich ist es richtig, die schlimme Lage der Menschenrechte in Simbabwe anzusprechen. Nur: Europa und die Welt schauen seit über vier Jahren dem Morden in der sudanesischen Provinz Darfur zu, verbale Verrenkungen inklusive. Der sudanesische Ölreichtum hat durchaus Einfluss auf eine sehr selektive Wahrnehmung Afrikas in den Hauptstädten. Das heruntergewirtschaftete Simbabwe ist einfach leichter zu kritisieren. Bei einem WAZ-Besuch nannte der enge Vertraute von Südafrikas Ex-Präsidenten Nelson Mandela, Dennis Goldberg, die Politik des reichen Nordens "verlogen". Den G-8-Gipfel von Heiligendamm nannte er mit Blick auf die Beschlüsse in Richtung seines Kontinents "Scheinheiligendamm".

Goldberg hat einen unverdächtigen Verbündeten, nämlich den deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler. In seiner jüngsten Berliner Rede war Köhler sehr deutlich. Eine Milliarde Menschen leben in Afrika, sie haben nicht mehr Einkommen als die Menschen in Bayern und Baden-Württemberg. Dumpingpreise zerstören heimische Märkte. Europa fischt Afrikas Küsten leer und reagiert, so Köhler, mit Erstaunen, Mitleid und einem Gefühl der Belästigung, wenn immer mehr Afrikaner sich in Nussschalen auf den Weg über das Meer machen, um Not und Elend zu entfliehen. Köhler fordert ein Miteinander auf Augenhöhe. Er kennt die internationale Politik gut genug, um zu wissen, dass seine Appelle wenig ausrichten werden. Besuche in Schulklassen hin oder her.

Quelle: Pressemitteilung Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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