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Börsen-Zeitung: Wette auf politische Hilfe

Archivmeldung vom 15.05.2019

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 15.05.2019 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott

Volkswagen hat sich für den noch am Anfang stehenden Umstieg von Verbrennerantrieben zur Elektromobilität zum Aufbau einer eigenen Batteriezellfertigung entschieden.

Kurz vor dem Produktionsstart des "ID.3", dem ersten E-Fahrzeug auf Basis des modularen Elektrifizierungsbaukastens, hat der Beschluss des weltgrößten Autobauers, eine Batteriezellfertigung in Salzgitter anzusiedeln, Signalwirkung - mit Blick auf die künftige Rolle der Autoindustrie für den Wirtschaftsstandort und auf weiterhin vollständige Wertschöpfungsketten in der Fahrzeugproduktion. Bei der Batterie geht es um die Komponente mit dem höchsten Wertschöpfungsbeitrag in Elektroautos.

Ob sich Zellfertigung in Deutschland wirtschaftlich betreiben lässt, ist aber ungewiss. Daimler und BMW haben bislang keinen Anlass gesehen, selbst solche Zellen herzustellen. Verwiesen wird auf den Vorsprung asiatischer Hersteller zumindest bei Lithium-Ionen-Batterien. Der Stuttgarter Autobauer gab 2015 eine Batteriezellfertigung in Kamenz wegen Unwirtschaftlichkeit auf. Ihren Bedarf für die nächsten Jahre decken die Hersteller, auch VW, über Zulieferer. BMW etwa hat einen Liefervertrag mit dem chinesischen Anbieter CATL geschlossen, der in Erfurt eine Fabrik baut.

Wo weltweit Standorte für die Zellproduktion entstehen werden, ist noch offen. In Osteuropa wird mit niedrigeren Löhnen und Energiekosten sowie Subventionen um Investoren geworben. Dass sich Stephan Weil, als Ministerpräsident von Niedersachsen für das mit 20 Prozent an VW beteiligte Bundesland Mitglied im Aufsichtsrat des Wolfsburger Konzerns, um einen fairen Standortwettbewerb und für eine Zellproduktion an heimischen Standorten einsetzt, liegt in Anbetracht des Wegfalls einer Vielzahl von Arbeitsplätzen durch den Abschied von Verbrennerantrieben auf der Hand. So ist die Zusage für eine Batteriezellfertigung in Niedersachsen vor allem als ein Zugeständnis an den zweitgrößten VW-Eigentümer und die mächtige Arbeitnehmervertretung zu verstehen.

Ohne die Senkung von Stromnebenkosten, eine Befreiung von der EEG-Umlage, die Gewährung von Sonderabschreibungen und Steuervorteile dürfte die Batteriezellfertigung in Deutschland für die Autohersteller kaum wirtschaftlich werden. Einen Subventionswettbewerb um die Standortansiedlung in Europa müsste die EU-Kommission unterbinden. Mit ihrem Beschluss sind die Wolfsburger eine Wette auf starke politische Förderung eingegangen.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Carsten Steevens

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