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Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) kommentiert: »Du« oder »Sie«?

Archivmeldung vom 03.04.2008

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 03.04.2008 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Es war nicht gerade ein Knaller, den der WDR da plötzlich auf den Markt warf, aber immerhin der Überlegung wert. »Du« oder »Sie«? war nicht mehr die Frage, denn die interne Selbstverpflichtung, die sich die Sportredaktionen des Senders kürzlich gegeben haben, ist unmissverständlich: Statt des vertraulichen Du zu gebrauchen, sollen die Moderatoren ihre Gäste grundsätzlich siezen.

WDR-Intendatin Monika Piel soll all dies angeregt haben. In dem Positionspapier (Titel: »Distanz in der Sportberichterstattung«) wird auf die zunehmende Kommerzialisierung des Sports verwiesen, die zusätzliche Anfoderungen an die Journalisten stelle. Es dürfe nicht soweit kommen, »dass wir uns mit dem Gegenstand unserer Berichterstattung gemeinmachen«. Unabhängigkeit sei gefragt, heißt es weiter. In der Vergangenheit mussten sich Sportjournalisten auch der öffentlich-rechtlichen Sender immer wieder mit dem Vorwurf auseinandersetzen, zu große Nähe zu prominenten Sportlern oder mächtigen Funktionären zu suchen. Gut gebrüllt, könnte man sagen, das musste endlich mal geregelt werden. Ist nun wirklich alles geregelt? Kann es keine Auswüchse mehr geben, nur weil jetzt gesiezt wird? Zweifel sind angebracht, und das nicht nur für den Bereich des Sports. Auch regt sich schon Widerstand. Die »Duz-Maschine« Waldemar Hartmann (wie er sich selbst bezeichnet) beispielsweise mag sich das Duzen nun gar nicht verbieten lassen. Ein ehrliches Du sei ihm lieber als ein geheucheltes Sie, gibt er zu Protokoll. Grundsatz sei bei ihm, für den Gesprächspartner eine Atmosphäre zu schaffen, in der er vielleicht mehr sagt, als er vorhatte. Kann man freien Mitarbeitern, und auch Hartmann ist einer, das Du überhaupt verbieten? Maybrit Illner hingegen würde gerne den Journalisten im Lande einen Ehrenkodex verordnen, der mehr Distanz beispielsweise zur Politik schafft. Da ist dann Duzen nicht drin, das gegenseitige Einladen auf Feste und anderes auch nicht. Auch dies zu Protokoll. Beide haben auf ihre Art recht. Im übrigen gilt das nicht nur für Journalisten. Entscheidend indes ist: Wie gehen wir mit einem Gesprächspartner um, wieviel Nähe oder Abstand brauchen wir, wie weit können wir uns einlassen, ohne zu verletzten oder selbst verletzt zu werden? In welcher Situation, an welchem Ort, in welcher Gesellschaft ist Du oder Sie angebracht? Darüber müssen wir nachdenken, feinfühlig werden. Selbstbewußtsein und Selbstbehauptung gehören dazu. Regeln gibt es natürlich. Seit Ende des 20. Jahrhunderts gilt im deutschsprachigen Raum die Regel, dass nur Familienangehörige und enge Freunde geduzt werden. Fremde werden grundsätzlich gesiezt, es sei denn, es handelt sich um Kinder. Ausnahmen gibt es natürlich zuhauf. Motorradfahrer duzen sich nunmal (meistens). Wie halten wir es also? Letztendlich kommt es auf den Einzelnen an. Da überzeugt nur der, der uns wahrhaftig daher kommt und eine sinnvolle Distanz wahrt.

Quelle: Westfalen-Blatt


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