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neues deutschland: Umstrittene Wahl in der Ostukraine: Selbstgerechter Westen

Archivmeldung vom 04.11.2014

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 04.11.2014 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Die Ignoranz von Politikern und Medien in Deutschland gegenüber der Wahl in der Ostukraine ist selbstgerecht. Sie verdeckt, dass es nicht nur Russland, sondern auch der Westen selbst war, der die Abspaltungstendenzen in der Region befördert hat. Denn die Ängste der Menschen in diesem Teil der Ukraine vor kultureller Benachteiligung, ihre Sorge um das Recht auf die russische Sprache und auf enge wirtschaftliche Beziehungen zu Russland oder ihr positiver Bezug auf die Befreiung von Hitlers Wehrmacht wurden nie wirklich ernst genommen.

Gewalt gegen Polizisten und die Besetzungen von öffentlichen Gebäuden in der zentralen und Westukraine galten auch hierzulande vor allem als Notwehr gegen den damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch. Besetzungsaktionen von Aktivisten, die im Süd- und Ostteil des Landes für eine Föderalisierung in der Ukraine eintraten, wurden dagegen als »ungesetzlich«, »terroristisch« und »von Russland gesteuert« heruntergemacht. Es ist leicht, ohne wirkliche Kenntnis der Region zu urteilen. Doch solange Kiews Armee Wohnviertel in der Ostukraine beschießt, ist es weltfremd, von den Politikern dort eine politische Kultur wie in Europa und Wahllokale ohne bewaffneten Schutz zu fordern. Der Aufbau von stabilisierenden staatlichen Strukturen in den Gebieten Donezk und Lugansk nach den Wahlen am Sonntag scheint so zur Zeit ein gangbarer Weg zu Verhandlungen und Frieden zu sein.

Quelle: neues deutschland (ots)

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