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Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) zum Thema Thailand

Archivmeldung vom 28.04.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 28.04.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Der König hat gesprochen, aber nichts gesagt - und schon gar nicht Farbe bekannt. Thailand steht möglicherweise vor einem Bürgerkrieg, und Bhumipol Adulyadej der weltweit am längsten amtierende Monarch, weiß nicht weiter. Weder rot, noch gelb, sondern farblos war sein Signal.

Aus dem Krankenhaus heraus hat der 82-Jährige die Richter des Landes aufgerufen, ihre Pflicht zu tun. Allein für radikalisierte Anhänger der illegitim ins Amt gekommenen Regierung ist dieser Aufruf kein Orakel. Sie verstehen die Worte des immer noch von fast allen Bürgern geachteten Staatsoberhaupts als klaren Auftrag an Polizei und Militärs zu handeln. Die Sicherheitskräfte sollen nicht länger den Protesten der Rothemden zusehen und ihre Blockaden und Kundgebungen räumen. Dabei hat es in den vergangenen acht Wochen schon 26 Tote und mehr als 1000 Verletzte gegeben. Vor allem die Polizei und zumindest die unteren Ränge der Militärs stehen den Armen im Lande näher. Das dürfte sie mit den Rothemden sympathisieren lassen. Die letzten Wochen haben jedenfalls gezeigt, dass die Ordnungskräfte den politischen Protest nicht eindämmen können - oder wollen. Vor allem in Bangkok ist die Lage angespannt, wo der Regierungschef Abhisit Vejjajiva den Anhängern seines wegen Korruption verurteilten Vorgängers Thaksin Shinawatra, der vom Militär gestürzt worden war, direkt gegenübersteht. Die Rothemden haben ihre T-Shirts mittlerweile abgestreift, um besser untertauchen zu können. Regierungstreue Gelbhemden suchen außerdem die Auseinandersetzung auf eigene Faust. Auch Gruppierungen, die sich »ohne Farbe« nennen, mischen immer häufiger mit. Das deutsche Auswärtige Amt rät angesichts der brandgefährlichen Lage dringend von Reisen nach Bangkok ab. Der Transitbereich des Flughafens gilt als unbedenklich, auch die Touristenzentren rund um Phuket, nicht aber die von Islamisten  terrorisierten Inseln. Die deutschen Reiseveranstalter haben konsequent die Reißleine gezogen und Reisen in die »Stadt der Engel« abgesagt. Einige tausend auf Thailand festsitzende Deutsche im August 2008 sind noch in frischer Erinnerung. Die Roten sind überzeugt, dass eine Großoffensive gegen sie geplant ist. Der Aufruf zum Verzicht auf rote T-Shirts dient nicht allein der Fluchtvorbereitung. Weitere Demonstranten aus den armen Provinzen können so unerkannt nach Bangkok einsickern. Seit Sonntagabend scheint das Tischtuch endgültig zerschnitten zu sein. Durch die Ablehnung eines Gesprächsangebots hat der Regierungschef den Konflikt geschürt. Die Opposition hatte Forderungen nach dem sofortigen Rücktritt Abhisits zurückgenommen und Neuwahlen vorgeschlagen. Die Führung will das nicht, sondern eine Entscheidung, offenbar mit aller Gewalt.

Quelle: Westfalen-Blatt

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