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Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema Deutschland-Frankreich

Archivmeldung vom 23.01.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 23.01.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Die vor 46 Jahren im Elysee-Palast besiegelte deutsch-französische Freundschaft hat Erstaunliche vollbracht. Zugleich sind die Möglichkeiten des damals sensationellen Vertrages noch längst nicht ausgeschöpft. Er war und ist die Quelle von Jugendaustausch, Kommissionen, Ministergremien und regelmäßigen gemeinsamen Kabinettsrunden.

Der Freundschaftsvertrag wurde zum Vorbild der deutsch-polnischen Freundschaft. General Charles de Gaulle sah noch weiter. Der Visionär erwog mit Konrad Adenauer sogar die Idee einer Konföderation von Deutschland und Frankreich. Aber die Kräfte des Alten aus Rhöndorf reichten nicht mehr. Er trat noch im Herbst des Jahres 1963 zurück. Nachfolger Ludwig Erhard konnte mit dem Angebot des Generals, auch die Verfügungsgewalt über die Force de Frappe zu teilen, mithin Deutschland gekoppelt an Frankreich sozusagen in die Tafelrunde der Atommächte aufzunehmen, nichts anfangen. Erst Giscard d'Estaing und Helmut Schmidt nutzten die wirtschaftspolitischen Komponenten des Vertrags und schufen die Währungsschlange, den Vorläufer des Euro. Helmut Kohl und Francois Mitterrand belebten den Vertrag, indem sie die sicherheitspolitischen Komponenten ausbauten und noch einmal in Verdun Hand in Hand grenzübergreifend historische Emotionen bewegten. Die Wiedervereinigung wurde zunächst zu einer ernsthaften Zerreißprobe. Mitterrand versuchte die Einheit sogar zu verhindern. Aber die Freundschaft war den Völkern schon so zu einer Selbstverständlichkeit geworden, dass das Msstrauen fremd anmutete. Sämtliche Umfragen in Frankreich ergaben ein deutliches »Oui« für die Wiedervereinigung der Deutschen. Kohl verstand seinen Freund Mitterrand. »Es kann kein anderes Europa geben, als das Europa der Staaten«, hatte Gründevater de Gaulle im Mai 1962 auf einer Pressekonferenz vorgegeben. Die Staaten seien die »einzigen gültigen, legitimen und fähigen Elemente, auf denen man Europa bauen kann.« Das wurde damals als Absage an eine enge Vereinigung verstanden. Zum Europa der Vaterländer kam dennoch nicht. Aber Europa ist auch heute einem Staatenbund näher als einem Bundesstaat - wie auch immer die Macht innerhalb der Staaten verteilt ist und was immer aus dem Lissabon-Vertrag werden mag. Auch in der aktuellen Krise zeigt wieder Frankreich mehr Führung als Deutschland. Den Befund bestätigt, dass der geopolitische Faktor Demographie in Frankreich viel erfolgreicher gemanagt wird - schon seit Jahren werden mehr Franzosen geboren als Deutsche. Die Tatsache, dass der deutsch-französische Motor in Europa mehr stottert als schiebt und zieht, hat vor allem zu tun mit der politischen Qualität des Führungspersonals an der Spitze des Kernbündnisses. Davon aber ist bei den diversen Treffen nicht die Rede. Man ist schließlich unter Freunden, auch wenn man sich nicht immer versteht.

Quelle: Westfalen-Blatt

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