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Gründet endlich einen Club!

Archivmeldung vom 09.09.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 09.09.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić

Es ist in Deutschland recht einfach, mit kleiner Geldbörse ein relativ gutes Leben zu führen. Dazu gehören der Restaurantbesuch, der Billigflieger in die Sommersonne und ein Auto, mit dem man auch auf dem Land mobil ist. Daran ist erst einmal nichts falsch. Zumindest so lange nicht, bis man die Kosten in Augenschein nimmt, die der eigene Lebensstil außerhalb des persönlichen Por­temonnaies verursacht. Das Urteil, das Umweltorganisationen, aber etwa auch das Um­welt­bundes­amt fällen, ist eindeutig: Wir leben auf zu großem Fuß. Und zwar alle. Also müssen wir alle etwas dagegen tun.

Problematisch wird es, wenn dieser Mindeststandard, den wir seit Jahrzehnten gewohnt sind, - und den wir als unsere Grundsicherung definieren - teurer gemacht wird. Etwa durch den CO2-Preis, der gerade an der Tankstelle spürbar wird. Oder durch den CO2-Ausgleich im Flugverkehr, der bald noch mehr Verbindungen treffen wird und die Flüge teurer machen dürfte. Oder durch das Verbot von Verbrennern - wo doch Elektroautos zumindest momentan noch viel zu teuer für jedermann sind. Armsein wird sich plötzlich ärmer anfühlen. Es droht noch mehr soziale Ungleichheit. Das ist eine Gefahr, die kaum jemand leugnen kann, der sich schon einmal mit den Kosten des Klimaschutzes beschäftigt hat. Um den Klimawandel zu verlangsamen, brauchen wir aber alle an Bord: in Deutschland wie weltweit. Ärmere Haushalte und Staaten dürfen nicht unter den Tisch fallen. Daher braucht es einen klugen Ausgleich. In der Bundesrepublik lässt sich das zumindest übergangsweise über eine Pauschale regeln, die an das Einkommen gekoppelt ist. Sie dürfte ärmere Haushalte von den höheren Kosten durch steigende CO2-Preise befreien.

Aber wie soll das international funktionieren? Der Ökonom William Nordhaus hat für die Idee eines internationalen Klimaclubs sogar den Nobelpreis erhalten. 2015 hatte er einen solchen Club vorgeschlagen, um zu verhindern, dass der Klimaschutz zum Wettbewerbsnachteil weniger Staaten wird, die ihn ernsthaft betreiben. Die Mitglieder sollten sich deshalb auf einen gemeinsamen CO2-Preis verständigen - und Strafzölle von den Ländern verlangen, die nicht im Club sind. Logisch ist: Je mehr Staaten an Bord sind, desto effektiver funktioniert der Klimaschutz. Das Momentum im Jahr 2021 wäre nach all den Wetterextremen in Deutschland, Südeuropa und Amerika perfekt für die Gründung eines solchen Clubs. Die Bundesregierung hat das verstanden. Aber wo bleiben die anderen?

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Anna Steiner

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