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Lausitzer Rundschau: Der Hase will nicht stillstehen

Archivmeldung vom 04.01.2012

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 04.01.2012 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Jeder Skandal hat seine eigene Choreografie. Manchmal geht es schnell mit dem Rücktritt, wie bei Schleswig-Holsteins CDU-Chef Christian von Boetticher, der nach Bekanntwerden seiner "Lolita-Affäre" Mitte August noch am gleichen Tag hinschmiss. Manchmal dauert es etwas länger. Karl-Theodor zu Guttenberg brauchte zwei Wochen, ehe aus "abstrusen Vorwürfen" gegen seine Dissertation die Rückgabe des Doktortitels und das Ausscheiden aus allen Ämtern geworden war.

Christian Wulffs Demission befindet sich nach drei Wochen kurz vor der Vollendung. Bei Guttenberg wie Wulff kann man in geradezu klassischer Weise sehen, wie sich eine Affäre entwickelt, wenn der Betreffende sich falsch verhält. Insbesondere wenn er seine Verstöße nur scheibchenweise zugibt. Dann wächst der Skandal zwar etwas langsamer, dafür aber unaufhörlich - und in die Tiefe. Dann bekommt die Affäre ein neues Thema: Nicht den Sachverhalt von früher bringt den Politiker zu Fall, sondern die Lüge jetzt. Es gibt dagegen nur eine erfolgversprechende Strategie: Das frühzeitige und schnörkellose Bekenntnis zu den Verfehlungen, samt einer glaubhaften Entschuldigung. Ein Windhundrennen hört auf, sobald der Köder nicht mehr gezogen wird. Christina Wulff hatte mehrere Zeitfenster, um das Rennen zu beenden. Das erste war der 18.Februar 2010, als er seine Staatskanzlei im niedersächsischen Landtag eine Anfrage der Grünen nach etwaigen Geschäftsbeziehungen zu Unternehmer Egon Geerkens verneinen ließ. Zweifellos brütete Wulff mit seinen engen Mitarbeitern, allen voran Sprecher Olaf Glaeseker, vorher über der Antwort. Entweder Wulff verschwieg dabei intern den richtigen Sachverhalt, dann konnte ihn natürlich niemand anders beraten. Oder aber, wahrscheinlicher, man entschloss sich gemeinsam zur Notlüge, die formal keine war, weil ja nur nach dem Unternehmer Geerkens und nicht nach der Frau gefragt worden war. Dann war das ein schwerer Beratungsfehler. Denn damals wäre Wulff noch mit ein paar Imagekratzern davon gekommen. Das zweite Zeitfenster ergab sich, als ein Jahr später mehrere Medien nach der Finanzierung seines Hauses recherchierten und Wulff eine Berichterstattung zunächst mit gerichtlichen Mitteln zu verhindern suchte. Auch als Bundespräsident hätte er da noch sagen könne: Jawohl, ich habe als Ministerpräsident damals einen Privatkredit von Frau Geerkens erhalten und den Landtag nicht korrekt informiert. Ich bedauere das, ich habe das inzwischen korrigiert. Es wäre eng geworden, aber womöglich hätte die Öffentlichkeit das geschluckt. Stattdessen beharrte sein Sprecher Glaeseker zunächst darauf, dass die Antwort vor dem Landtag formal korrekt gewesen sei. Wie man heute weiß im Einvernehmen mit Wulff, der gleichzeitig sogar selbst zum Hörer griff, um die "Bild"-Redaktion einzuschüchtern. Was schon deshalb nicht geheim bleiben konnte, weil er auf einen Anrufbeantworter sprach. Wulffs Umgang mit der Affäre ist unfassbar dumm, noch dümmer als der zu Guttenbergs. Den CSU-Nachwuchsstar hätte eine andere Reaktion freilich kaum gerettet: Mit einer gefälschten Doktorarbeit war er nun einmal nicht mehr ministrabel. Allerdings hätte Guttenberg bei einem anderen Abgang bessere Rückkehrchancen gehabt. Wulff wiederum macht aus einem eher noch tolerierbaren Fehlverhalten aus früheren Zeiten durch seine Reaktion erst eine Großaffäre. Nun geht es um etwas ganz anderes: Um seine charakterliche Eignung für das Amt.

Quelle: Lausitzer Rundschau (ots)

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