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Lausitzer Rundschau: Karadzic-Auftritt vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal

Archivmeldung vom 02.03.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 02.03.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Radovan Karadzic tat am Montag vor dem UN-Tribunal für Ex-Jugoslawien das, was die meisten der vor ihm hier Angeklagten getan haben: Er leugnete, er log, er verbreitete Halbwahrheiten und er stellte die bosnischen Serben und sich selbst als Verschwörungsopfer hin.

Der 64-Jährige betrieb eine Legendenbildung, die schon sein damaliger Mentor in Belgrad, der gleichfalls in Den Haag angeklagte Serbenpräsident Slobodan Milosevic, praktiziert hatte - und die in der Mär von der Vergiftung im Gefängnis gipfelte. Für die Anklage wird es nicht einfach werden, dem früheren Serbenführer juristisch einwandfrei die Verantwortung unter anderem für das Massaker von Srebrenica mit rund 8000toten Muslimen und für die 44-monatige Belagerung von Sarajevo mit etwa 10000Toten nachzuweisen. Allerdings hat sie auch aus anderen Prozessen gelernt und beschränkt sich auf einige, die wesentlichen Punkte. Dem sich als Opfer und serbischer Held darstellenden Karadzic soll so möglichst wenig Gelegenheit gegeben werden, dieses Zerrbild auch noch vor aller Welt zu präsentieren. Immer waren andere schuld, man habe sich doch nur verteidigt und überhaupt sei alles eine Verschwörung. Gelingt es Karadzic, sich mit derartigen Argumentationsmustern von Schuld und Verantwortung reinzuwaschen, steht die Idee internationaler Tribunale für Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit für lange Zeit in Misskredit. Wohl kein Kriegsverbrecher irgendwo auf der Welt braucht dann noch solch ein Gericht zu fürchten. Kein Opfer, kein in der Hierarchie niedriger Stehender wird dann noch gegen seine Peiniger oder gegen seine Vorgesetzten aussagen.

Quelle: Lausitzer Rundschau

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