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Börsen-Zeitung: Cevians neuer Freund

Archivmeldung vom 23.05.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 23.05.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott

Mit dieser Allianz hat kaum jemand gerechnet: Schon seit Monaten fordert der schwedische Finanzinvestor und Thyssenkrupp-Großaktionär Cevian die Zerschlagung des schwerfälligen Industriekonglomerats - ohne Erfolg: Mit der Krupp-Stiftung im Rücken konnte der seit 2011 amtierende Vorstandschef Heinrich Hiesinger seinen Plan zum Umbau des Konzerns weiter verfolgen. Doch nun könnte sich das Blatt wenden. Cevian hat möglicherweise einen "neuen Freund" gefunden.

Der berüchtigte Hedgefonds Elliott, der in Finanzkreisen einen bevorstehenden Einstieg bei Thyssenkrupp ankündigt, käme zusammen mit Cevian voraussichtlich auf einen höheren Anteil als die Krupp-Stiftung mit 21 %. Damit fänden zwei ungleiche Aktivisten zueinander: Elliott, der kurzfristig agierende Unruhestifter, und Cevian, der langfristig orientierte Kümmerer mit Aufsichtsratsengagement. Das würde eine neue Machtperspektive bei Thyssenkrupp eröffnen. Cevian könnte mit Elliott das durchsetzen, was allein nicht möglich war: Die fünf Sparten des Konzerns für Aufzüge, Automobilkomponenten, Großanlagen, Stahl und Werkstoffhandel würden operativ jeweils eigenständig unter einer Holding versammelt. Anschließend würden Abspaltungen und Börsengänge folgen. Damit würde Cevian-Gründer Lars Förberg das beseitigen, was er negative Synergien des Konglomerats nennt: den Entscheidungsstau an der Spitze und den Verwaltungswasserkopf des Essener Hauptquartiers.

Nie waren aktivistische Investoren wie Paul Singer, der Gründer von Elliott, so aktiv wie derzeit. Aus den USA ist ihr Geschäftsmodell nach Europa gekommen. Im Jahr 2017 verdoppelten sich die Investments der aktivistischen Investoren gegenüber dem Vorjahr laut Investmentbank Lazard auf 62 Mrd. Dollar. Auch das Bild der Aktivisten hat sich gewandelt, seit die großen alten Männer wie Carl Icahn oder Paul Singer in den 1980ern ihr Geschäft starteten. Während sie lange Zeit als Erpresser und Unruhestifter galten, wird den Aktivisten inzwischen immer häufiger nachgesagt, mit ihren Kampagnen auch die Interessen aller Aktionäre wahrzunehmen.

In Deutschland ist Elliott beim Maschinenbauer Gea, bei Kabel Deutschland und Uniper aktiv. Bei dem Kraftwerksbetreiber agiert Elliott mit bisher mäßigem Erfolg: Der Hauptversammlungsantrag, einen Sonderprüfer einzusetzen, der dem Vorstand Pflichtverletzungen bei der Verteidigung gegen die feindliche Übernahme durch Fortum nachweisen soll, trifft bei anderen Aktionären nicht auf Gegenliebe. Sie ahnen, dass es in diesem Fall doch eher um Nötigung geht.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Christoph Ruhkamp

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