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Neue OZ: Kommentar zur Stasi

Archivmeldung vom 13.01.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 13.01.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Zum Glück ist es dann doch anders gekommen. Wären tatsächlich auf Betreiben der Regierung Kohl 1990 sämtliche Stasi-Akten verbrannt oder geschreddert worden, hätten Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble einen nicht wiedergutzumachenden Fehler begangen.

 In wohlmeinender Absicht wären die CDU-Politiker zu unfreiwilligen Helfershelfern derer geworden, die bis heute den Alltag in der SED-Diktatur dreist verklären, vertuschen und verharmlosen wollen. Das wäre historisch und psychologisch unverantwortlich gewesen, es hätte die Bewältigung der Vergangenheit erheblich erschwert. So aber kommt die Wahrheit, die manchmal unbequem ist, ans Licht. Manches Opfer empfindet die Berichte über Bespitzelung als schmerzlich, aber auch als notwendig.

Zugleich hat sich die Stasi-Unterlagen-Behörde international zum Vorbild für die Aufarbeitung von Diktaturen entwickelt. Wie Deutschland mit dem kilometerlangen Schriftgut des Geheimdienstes und mit anderen Dokumenten umgeht, das findet Interesse von Albanien bis Guatemala. Nur mithilfe der Archive, vor allem des papiernen Gedächtnisses, ist eine kritische Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit möglich. Nur so lässt sich 20 Jahre nach dem Fall der Mauer Jugendlichen vermitteln, dass etwa jemand überwacht wurde, bloß weil er Punker war.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung

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