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Weser-Kurier: zur Dienstwagen-Affäre von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt

Archivmeldung vom 29.07.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 29.07.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Republik der Erregten von Joerg Helge Wagner Nehmen wir nur für einen kurzen Moment an, Ministerin Schmidt - genauer: ihrem Fahrer - wäre die Dienstlimousine in Spanien nicht geklaut worden. Was wäre passiert? Nichts. Wer hätte sich aufgeregt? Niemand.

Das ist eigenartig, denn über den Fahrzeugdiebstahl an sich regt sich ja auch keiner auf - fast scheint es, als ob das öffentlichen Spitzenkräften öfters einmal passiere. Was hingegen zu bundesweiten Erregungszuständen führt, ist die Reise vor dem Diebstahl - die aber wäre logischerweise die gleiche gewesen, nur eben ohne das nachfolgende Gezeter. Für die Zeitung mit den großen Buchstaben hat der Bund der Steuerzahler flugs ausgerechnet, dass der Alicante-Trip mit der Ministerinnen-Karosse 9372 Euro gekostet habe. Gut, davon fährt Familie Jedermann dreimal zu viert in den Urlaub - ein Josef Ackermann hingegen hat das in knapp drei Stunden verdient. Es kommt also auf die Perspektive an. Wem ist Ulla Schmidt denn nun näher: Familie Jedermann oder dem Chef der Deutschen Bank? Nach dem etwas naiven Ideal, das sich die Deutschen gerne insbesondere von sozialdemokratischen Politikern machen, sollten es natürlich die Jedermanns sein. In der harten Realität aber sprechen wir bei Frau Schmidt vom Regierungsmitglied eines 82 Millionen Einwohner zählenden G-8-Staates, das einem Ministerium mit 1200 Bediensteten vorsteht und einen Etat von viereinhalb Milliarden Euro zu verantworten hat - das ist dann doch schon eher auf Augenhöhe mit Ackermann. Von dessen Gehalt indes können Bundesminister, Kanzlerin, Bundespräsident oder Verfassungsrichter nur träumen. Ihre Arbeitszeiten wiederum, das darf man getrost unterstellen, unterscheiden sich von denen des Spitzenbankers nicht so sehr. Angesichts dessen und der Tatsache, dass Ministerin Schmidt nichts in Anspruch genommen hat, was ihr nicht zustünde, wirkt die sommerliche Erregung doch reichlich kleinkariert. Was man Ulla Schmidt vorwerfen kann, ist die Reaktion ihres Hauses. Dem Publikum weismachen zu wollen, dass man eine gepanzerte S-Klasse-Limousine samt Fahrer für 500 Euro von Berlin nach Alicante und zurück bewegen kann, ist wirklich dumm und dreist: Das Volk für dämlich zu halten ist aber ein Luxus, den sich Politiker keinesfalls leisten können.

Quelle: Weser-Kurier

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