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Börsen-Zeitung: Gratwanderung

Archivmeldung vom 27.02.2018

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 27.02.2018 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott

Man könnte den Einstieg von Li Shufu bei Daimler als Kompliment verstehen. Der Haupteigner des chinesischen Autokonzerns Geely ist Mercedes-Fan und sieht Daimler bei Elektromobilität gut aufgestellt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Daimler der einzige deutsche Autobauer ohne Ankeraktionär ist und der Aktienkurs in den vergangenen 24 Monaten dem von BMW und Volkswagen deutlich hinterherhinkte. So konnte sich Li Shufu für 7,3 Mrd. Euro rund 9,7% an Daimler sichern.

Der Daimler-Vorstand braucht im weiteren Umgang mit Li und Geely viel Fingerspitzengefühl. Der Milliardär wird trotz seines zurückhaltenden Rufs einen Sitz im Aufsichtsrat wollen, wenngleich es dazu nach Informationen der Börsen-Zeitung noch keine Gespräche gab. Der Vorstand befasst sich derzeit nicht nur mit der geplanten Aufspaltung in rechtlich selbständige Einheiten, die unverändert vorangetrieben werden soll. Die Manager feilen auch durchgehend an ihrer Strategie für Elektromobilität und autonomes Fahren. Es ist ein Risiko, dass diese Pläne über einen Geely-Vertreter im Aufsichtsrat zum direkten Wettbewerber Volvo Cars gelangen könnten, der Geely gehört. Gleichzeitig könnte Daimler Li Shufus Ansinnen nicht einfach ignorieren oder ablehnen.

Das würde dem Einstieg die Aura einer beginnenden feindlichen Übernahme verleihen, und diesen Eindruck zu erwecken dürfte das Letzte sein, was der Daimler-Vorstand will. Zudem kann eine Kooperation Vorteile bringen. Auch, weil Li sehr gute Verbindungen zur Zentralregierung in Peking nachgesagt werden. Das führt zur zweiten Gratwanderung und der Frage, ob und wie eine von Li gewünschte Zusammenarbeit bei E-Autos umsetzbar ist. Mercedes arbeitet seit den neunziger Jahren mit dem Autokonzern BAIC zusammen und ist an dessen Pkw-Sparte beteiligt.

Es bestehen zwei Joint Ventures, die künftig neben Mercedes auch die Elektromarke EQ lokal fertigen und vertreiben. In der zweiten Kooperation mit BYD baut Daimler den elektrischen Mittelklassewagen Denza. Diese Partnerschaft ist jünger, die Stückzahlen sind deutlich geringer. Daneben baut Daimler in Europa mit Renault-Nissan unter anderem den Smart. Der verkauft sich in China gut, wird dort aber nicht gefertigt. Ihn soll es von 2020 an zudem nur noch elektrisch geben. Für eine Kooperation mit Geely gibt es also durchaus Ansätze. Nun gilt es den mit dem geringsten Risiko zu identifizieren.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Isabel Gomez

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