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Börsen-Zeitung: Neues Wagnis

Freigeschaltet am 04.06.2019 um 06:05 durch Andre Ott

Nach dem gescheiterten Erwerb des Chipspezialisten Wolfspeed 2017 geht Infineon in den USA ein neues Wagnis ein, um mit einer Übernahme die stärker werdende Konkurrenz in Schach zu halten. Dabei muss wohl der Handlungsdruck auf Konzernchef Reinhard Ploss extrem hoch gewesen sein, wie der Kaufpreis von 9 Mrd. Euro für den deutlich kleineren Anbieter Cypress zeigt.

Ploss und seine Mannen müssen noch viel Überzeugungsarbeit leisten, sind doch die Anleger nicht bereit, der Führungsspitze mit ihrer überarbeiteten Equity Story nach der Cypress-Akquisition uneingeschränkt zu folgen. Der Kurssturz um über 10% ist ein deutliches Urteil der Investoren. Sie werten den jüngsten Schritt von Infineon als überteuert, um die Marktanteile im Kerngeschäft auszubauen.

Schließlich ist Deutschlands größter Halbleiterhersteller bereit, das 4,5-Fache des Jahresumsatzes zu berappen. Und das für ein Unternehmen, welches sich erst im vergangenen Jahr spürbar aus einer Ertragskrise herausgekämpft hat. Schlucken um jeden Preis, um nicht selbst geschluckt zu werden?Verwässerungseffekte aufgrund einer möglichen Kapitalerhöhung und eine steigende Verschuldung wirken abschreckend, wie auch die kritische Reaktion der Ratingagentur Standard & Poor's verdeutlichte. Infineon plant, den Neuerwerb mit neuem Eigen- und Fremdkapital zu finanzieren.

Skeptisch stimmt auch, dass Ploss zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt in den USA vorprescht. Der eskalierte Handelskonflikt zwischen Washington und Peking birgt Risiken für das operative Geschäft. Das kann die von Infineon propagierten Synergieeffekte schmälern. Zugleich befindet sich die Branche mitten in einem Abschwung. Infineon bekam das bereits zu spüren. Zwei Gewinnwarnungen in Folge ließen Zweifel an der Prognosesicherheit des Vorstands aufkommen. Seit Anfang Mai büßte die Aktie 30% ein. Der Marktwert von Infineon schrumpfte auf 16,6 Mrd. Euro.

Ploss lockt derweil damit, mit der Übernahme unter die Top 10 der Branche aufzusteigen. Nach dem Erwerb von IDT durch den japanischen Wettbewerber Renesas sah sich der CEO offenbar unter Zugzwang. Für das Unternehmen mit Sitz in Neubiberg bei München spricht, dass es schon über reichlich Erfahrungen mit US-Akquisitionen verfügt. Die Integration des vor vier Jahren für 2,3 Mrd. Euro erworbenen Anbieters International Rectifier verlief weitgehend geräuschlos. Mit einem Umsatz-Multiple von 2,7 war für Infineon dieser Erwerb aber viel preiswerter.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Stefan Kroneck

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