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Börsen-Zeitung: Risikoappetit kehrt zurück

Archivmeldung vom 18.07.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 18.07.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Ein weiteres Mal zeigen die Finanzmärkte dieser Tage, wie sehr sie von schnell wechselnden Launen der Investoren hin und her getrieben werden. Beginnend mit den Zahlen von Goldman Sachs haben die Quartalsberichte großer US-Finanzhäuser den Hoffnungen neuen Schub verliehen, dass die Krise in nicht allzu ferner Zukunft überwunden werden könnte.

Hinzu kommen per saldo recht gute Konjunkturdaten, vor allem das im zweiten Quartal wieder beschleunigte Wachstum Chinas.

Hatten im frühen Handel zum Auftakt der abgeschlossenen Woche noch Zweifel an einer baldigen Erholung die Märkte belastet, folgte eine bemerkenswerte Kehrtwende. Kein Zweifel: Der Risikoappetit der Investoren ist wieder zurückgekehrt. Belegt wird dies u.a. durch deutlich rückläufige Risikoprämien, die am Credit-Markt gezahlt werden müssen. So hat sich der iTraxx Europe, ein Index, der Versicherungsprämien gegen Kreditausfälle von europäischen Emittenten guter Bonität darstellt, in nur fünf Handelstagen um 14 auf 109 Basispunkte eingeengt.

Eine noch deutlichere Sprache spricht der VDax, der, vereinfacht ausgedrückt, eine Art Messinstrument für das Ausmaß der Angst unter den Anlegern ist. Er liegt nur noch bei rund 26%, nachdem er nur wenige Tage zuvor noch ein Zwischenhoch von 34% erreicht hatte. Vor allem aber befindet sich der Index damit auf einem Niveau, das zuletzt am 12. September, unmittelbar vor dem Lehman-Kollaps, Bestand hatte. Beeindruckend auch die Entwicklung gerade am inländischen Aktienmarkt. Gegenüber dem Tief vom Montag von 4520 hat der Dax in nur fünf Handelstagen bis zu 500 Zähler und damit mehr als 10% gewonnen.

Auch jenseits der ganz kurzfristigen Marktbewegungen gibt es zunehmende Anzeichen dafür, dass sich die Psyche der Investoren stabilisiert hat. So hat sich die Haltung der Investoren zu den ost- und mitteleuropäischen Reformstaaten deutlich zum Positiven gewendet. Im ersten Quartal wurde noch der völlige wirtschaftliche und finanzielle Zusammenbruch der Region befürchtet, die unter den Emerging-Markets-Segmenten bis vor kurzem noch mit weitem Abstand das Schlusslicht in der Gunst der Investoren war. Jetzt konnte ausgerechnet die Republik Ungarn, deren Staatsbankrott mit internationaler Hilfe abgewendet werden musste, die erfolgreiche Rückkehr an den internationalen Kapitalmarkt feiern. Eine fünfjährige Benchmark-Anleihe über 1 Mrd. Euro war mit Orders von rund 1,75 Mrd. Euro überzeichnet. Zwar musste die Republik einen hohen Spread entrichten. Sie konnte jedoch die Emission am unteren Rand der Marketing-Vorgabe von 395 bis 405 Basispunkten unterbringen. Ungarn hat nun gute Aussichten, bald ohne internationale Unterstützung auszukommen.

So ermutigend die jüngsten Signale aus der Finanzwirtschaft und seitens der Konjunktur auch sind: Anleger sollten weiter Vorsicht walten lassen. Der nächste Appetitzügler kommt bestimmt. Die Krise wird über einen längeren Zeitraum für negative Nachrichten sorgen. Häufige und heftige Stimmungs- und Kursschwankungen werden das Geschehen an den Finanzmärkten auch in den kommenden Monaten prägen. Auf die aktuelle Rally an den Aktienmärkten wird unweigerlich der nächste Rückschlag folgen. Die Entscheidung darüber, ob die Krise tatsächlich in absehbarer Zeit überwunden wird, ist noch lange nicht gefallen. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Erholung der Weltwirtschaft enttäuschen wird. Damit ist auch die weit verbreitete Meinung, dass die Aktienmärkte ihren Boden bereits gesehen haben, mit Fragezeichen zu versehen.

Die Investoren müssen aufpassen, keinen Illusionen aufzusitzen. Vieles, was jetzt nach Aufschwung riecht, ist Ausdruck einer Korrektur der panikartigen Lagerräumung, die dem Lehman-Kollaps folgte. Dies und die allmählich wirksam werdenden Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur werden möglicherweise eine vorübergehende Scheinblüte hervorbringen, der über kurz oder lang ein böses Erwachen folgen wird.

Quelle: Börsen-Zeitung

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