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Im Zeichen der Sustainability

Archivmeldung vom 08.02.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 08.02.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott

Der Boom bei grünen und nachhaltigen Schuldtiteln (Green und Sustainable Debt) ist mehr als beeindruckend. Das lässt sich an den jüngsten Emissionsdaten ablesen. Gemäß Daten von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) kamen im vorigen Jahr nachhaltige Schuldpapiere für umgerechnet insgesamt 465 Mrd. Dollar auf den Markt.

Das entspricht einer Steigerung von sage und schreibe 78% gegenüber 2018. Den Löwenanteil machen innerhalb der Kategorie Sustainable Debt die grünen Schuldtitel aus, denn auf sie entfielen etwas mehr als 261 Mrd. Dollar, also gut 56%. 2018 kam das sogenannte Green Debt noch auf ein Volumen von 182 Mrd. Dollar.

So wünschenswert aus Klima- und Umweltsicht und unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (UN) eine Fortsetzung dieses Booms mit derartigen Steigerungsraten in den Emissionsvolumina auch ist, wird der Markt diese Zuwächse in den kommenden Jahren wohl kaum halten können. Dafür wird allein schon der Basiseffekt sorgen. Aber eines ist vollkommen klar, Green und Sustainable Finance ist aus den Kapitalmärkten rund um den Globus nicht mehr wegzudenken.

Die Wichtigkeit dieses Themas ist schlichtweg zu hoch, und vor allem wird auf all diejenigen Adressen, die diesen Aspekt bislang als kurzfristige Modeerscheinung abgetan haben, ein Druck zum "Mitmachen" entstehen. Wenn sich immer mehr Institutionen wie Staaten, supranationale Adressen, Gebietskörperschaften, Banken und Unternehmen grün und nachhaltig ausrichten und genau das von Kunden und Investoren auch gefordert wird, entsteht ein automatischer Anpassungsdruck, weil man sonst einfach den Anschluss verliert, Kunden und Anleger schlichtweg zum Wettbewerber überlaufen.

Und so wird das Thema Sustainability an den Finanzmärkten großgeschrieben. Drei Entwicklungen werden die Kapitalmärkte in dieser Hinsicht in diesem Jahr sehen. Erstens: Es wird eine ganze Schar neuer Emittenten an den Markt kommen, und zwar aus allen Emittentenlagern. Der Benchmark-Emittent von Staatsanleihen in der Eurozone - der Bund - hat seine Debütemission der grünen Zwillingsanleihe als Pendant zu den herkömmlichen Bunds für die zweite Jahreshälfte in den Plänen vermerkt. Spanien hat im Januar angekündigt, sich diesem Trend anschließen zu wollen. Andere Staaten werden folgen. Aber auch neue Banken werden dem Club grüner und nachhaltiger Emittenten beitreten. Und was ebenfalls kommen wird, ist, dass das Thema bei den Unternehmen enorm an Bedeutung gewinnt, sich ebenfalls grün und nachhaltig auszurichten und die Finanzierung von entsprechenden Projekten auf die Beine zu stellen.

Zweitens: Es wird nicht mehr reichen, einfach nur zu erklären, dass man mit ein oder zwei grünen beziehungsweise nachhaltigen Anleihen auch Mitglied im Sustainable-Debt-Club geworden ist. Die Institutionen werden das Thema vorleben müssen: "Practice what you preach" lautet die entsprechende Devise. Dies wird aus zwei Gründen wichtig werden. Zum einen achten Bondanleger immer mehr darauf, dass der Aspekt grün und nachhaltig auch vorgelebt wird. Der Emittent wird in Zukunft sonst Probleme bekommen, seine grünen und nachhaltigen Anleihen am Markt zu platzieren. Zum anderen werden auch Geschäftspartner, Kreditgeber, Lieferanten, Kunden und nicht zuletzt Mitarbeiter einen Wandel zu Sustainability einfordern. Dem kann man sich nicht versperren. Der Aspekt Sustainability wird nicht zuletzt beim Kampf um qualifizierte (junge) Mitarbeiter immer wichtiger, denn bei jüngeren Generationen hat er einen noch viel größeren Stellenwert als bei den älteren Generationen.

Drittens, und dies betrifft die Zentralbanken: Wenn sich Banken und Finanzmärkte immer stärker des Themas Green und Sustainable annehmen, kommen die Notenbanken der Welt nicht darum herum, es ihnen gleichzutun. Denn Banken und Finanzmärkten sind dann auch mit neuen Risikofaktoren konfrontiert, etwa in ihren künftigen Geschäftsmodellen. Das können Zentralbanken nicht unberücksichtigt lassen. Und sie selbst werden sich dieses Themas auch inhouse annehmen, so zum Beispiel bei der Anlage von Pensionsgeldern. Bis dann auch Devisenreserven komplett grün und nachhaltig angelegt sind, wird zugegebenermaßen noch ein Weilchen vergehen. Aber in den QE-Portfolios ist Grün und Nachhaltig im Rahmen der durchgeführten Käufe bereits reflektiert. 2020 wird das Jahr der Nachhaltigkeit (Sustainability) an den Finanzmärkten.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Kai Johannsen

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