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Westfalenpost: Die freie, gute Wahl

Archivmeldung vom 29.06.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 29.06.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Zwei Kandidaten, viele Pluspunkte, viel Taktik Von Bodo Zapp 1244 Wahlfrauen und Wahlmänner bestimmen am Mittwoch, wer der nächste Bundespräsident ist. "Die Mitglieder der Bundesversammlung sind an Aufträge und Weisungen nicht gebunden", heißt es im Gesetz. Die Annahme, sie seien deshalb völlig frei in ihren Entscheidungen, ist ehrenwert, aber naiv.Präsidentenwahlen sind und waren immer beeinflusst von Parteien und der politischen Interessenlage.

Wer jetzt so tut, als müsse Angela Merkel, die "Patin" von Kandidat Christian Wulff, wegen der besonderen Qualitäten des Gegenkandidaten Joachim Gauck die schwarz-gelben Delegierten ausdrücklich von der Parteientreue befreien, ist von der geschickt inszenierten populistischen Welle voll erfasst. Das gilt auch für die Ex-Präsidenten Weizsäcker und Herzog.Lassen wir einmal das ganze Wer-ist-der-Bessere-Hickhack beiseite: Deutschland kann sicher sein, wieder einen guten Präsidenten zu bekommen. Die Chancen der Linken Luc Jochimsen sind reiner Zählkandidatin-Natur. Nimmt man die Medien-Veröffentlichungen über den brillanten Einheitsredner Joachim Gauck, zum Maßstab, wäre der 70-jährige Ex-Pastor die einzig wahre Wahl. Ein Mann, der im Volke Sehnsüchte nach dem Guten weckt, Typ Anti-Politiker.Gerecht gegenüber dem Profi-Politiker Wulff ist das nicht, dem im politischen Alltagsgeschäft Ecken abgeschliffen wurden, die allerdings wohl nie sonderlich ausgeprägt waren. Doch hat er Niedersachsen "beharrlich und unaufgeregt modernisiert", wie Ursula von der Leyen, die kurzzeitige Fast-Kandidatin, für ihn spricht. Beunruhigen müssten wir uns nicht, mit einem wie ihm Schloss Bellevue. Arbeiten kann er. Und wann, bitte sehr, strahlte von diesem hohen Repräsentations-Amt zuletzt Glanz aus? Bei aller Würdigung persönlicher Pluspunkte: Es gibt auch quer durchs Land Überlegungen, ob es richtig wäre, dass ein evangelischer Ex-Pastor aus Mecklenburg Präsident ist und eine evangelische Pfarrerstochter aus Mecklenburg Kanzlerin. Auch mit dem Gedanken, dass mit Wulff eine Patchwork-Familie ins Schloss einzöge und mit Gauck seine 20 Jahre jüngere Lebensgefährtin, tun sich manche schwer. Zumal Gauck seit 1990 von seiner Ehefrau getrennt lebt, aber nicht geschieden ist.

Quelle: Westfalenpost

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