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Zwischen Hoffen und Bangen

Archivmeldung vom 22.01.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 22.01.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott

EZB-Präsidentin Christine La­garde hat sehr viel Zeit darauf verwendet auszuführen, was die Europäische Zen­tralbank (EZB) denn unter jenen "günstigen Finanzierungsbedingungen" versteht, die sie mit aller (geldpolitischen) Macht erhalten will. Viel schlauer dürften sich die Beobachter hernach aber kaum gefühlt haben. Tatsächlich scheint es der Zentralbank auch in dem Punkt primär darum zu gehen, sich größtmögliche Flexibilität zu verschaffen. Das ist in der Pandemie zwar verständlich.

Flexibilität darf aber auch nicht in Willkür umschlagen. Lagarde & Co. sollten da bald für mehr Erklärung und mehr Klarheit sorgen. Geldpolitisch blieb am Donnerstag wie erwartet erst einmal alles unverändert. Zumal sechs Wochen nach dem umfassenden Lockerungspaket von Mitte Dezember in der Tat auch kein Handlungsbedarf bestand. Zwar haben sich die kurzfristigen Konjunkturperspektiven zuletzt etwas verschlechtert - wozu neben den Lockdowns quer durch Euroland auch der misslungene Impfstart beigetragen hat. Mittel- und langfristig haben sich die Aussichten aber aufgehellt - nicht zuletzt dank der zunehmenden Impfstoffe, aber auch dank der Brexit-Einigung und des Machtwechsels in den USA. Für die EZB, die derzeit zwischen Hoffen und Bangen schwankt, muss aber die längerfristige Perspektive entscheidend sein.

In die Karten gespielt hat dem EZB-Rat, dass der Euro zuletzt abgewertet hat, nachdem er zuvor kräftig zugelegt hatte. Das hat Lagarde weitere verbale Verrenkungen erspart. Tatsächlich würde die EZB auch kaum über wirklich wirksame Instrumente verfügen, um eine neuerliche Euro-Aufwertung allein entscheidend zu stoppen. Einen Währungskrieg etwa mit den USA sollte sie ohnehin keinesfalls anzetteln. Dass in der Krise zuletzt vielerorts die Wechselkurse wieder als Mittel der Wahl in den Fokus geraten sind, ist beunruhigend.

Die EZB ihrerseits sollte die Zeit jetzt vor allem entschlossen nutzen, ihre Strategiedebatte zu forcieren - insbesondere, was das künftige Inflationsziel betrifft. Das ist auch entscheidend, um eine künftige Exit-Strategie zu entwerfen. Die zuletzt unglückliche Ausstiegsdebatte in den USA sollte der EZB Mahnung sein, rechtzeitig für Klarheit zu sorgen. Wohlgemerkt: Es geht nicht um einen verfrühten Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik. Aber es geht um eine frühzeitige Kommunikation, unter welchen Bedingungen dieser Exit angegangen wird und wie er ausgestaltet wird. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Mark Schrörs

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