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Börsen-Zeitung: Düstere Aussichten für Retail

Archivmeldung vom 16.10.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 16.10.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Zöge man das Ergebnis von Goldman Sachs als einziges Kriterium heran, könnte man glauben, die Bankenkrise sei vorbei: Die US-Investmentbank erzielte seit Jahresbeginn 7,4 Mrd. Dollar Nettogewinn nach Bedienung des Hybridkapitals, davon 3 Mrd. im dritten Quartal - ein Niveau, wie man es von den Boomjahren kennt.

Dass das Gesamtbild der Branche weit weniger rosig ist, zeigt ein Blick auf die ebenfalls gestern vorgelegten Ergebnisse der Citigroup, die einen Verlust von 3,2 Mrd. Dollar ausweist und erneut knapp 9 Mrd. Dollar an Risikovorsorge bilden musste.  Auch JPMorgan musste für Kreditverluste, die vor allem Konsumenten betreffen, gut 8 Mrd. Dollar aufwenden, wie am Vortag bekannt geworden war. Nur dank Investment Banking und Eigenhandel wies die Universalbank dennoch einen Milliardengewinn aus.

Dass das in den USA zentrale Geschäft mit Hausfinanzierungen, Konsumentenkrediten und Kreditkarten wieder gute Resultate abwirft, ist kaum zu erwarten, solange die Arbeitslosenquote des Landes auf dem hohen Niveau von 9,8% verharrt oder sogar weiter steigt. Vor diesem Hintergrund habe die Citigroup ihre Risikovorsorge wahrscheinlich sogar zu niedrig angesetzt, monieren Kritiker. Institute, die ein starkes Investment Banking haben, können sich momentan glücklich schätzen - ganz besonders solche wie Goldman, die sich überhaupt nicht an Retailkunden wenden. Doch auch dieses Modell hat Schattenseiten: Goldmans schwankungsanfällige Investment-Banking-Erträge fielen im dritten Quartal um ein Drittel schwächer aus als im Vorjahr.

Den hohen Gewinn verdankt das Institut dem Handelsgeschäft und Wertzuwächsen im Investmentportfolio. Dass Goldman Risiken weniger reduziert hat als die Konkurrenz, zahlte sich so erneut aus. Im vierten Quartal könnten die Investment-Banking-Erträge steigen, falls - wie prognostiziert - das Geschäft mit Aktienemissionen wieder anzieht.

Einen Teil ihres gegenwärtigen Erfolgs dürften Investmentbanken jedoch der optimistischen Kapitalmarktstimmung verdanken. Seit März hat der S&P500 über 40% gewonnen. Falls die US-Konjunktur weiterhin lahmen sollte, kann der Trend schnell umschlagen. In diesem Fall würden die Aussichten nicht nur für Retailinstitute, sondern auch für Investmentbanken düsterer werden.

Quelle: Börsen-Zeitung

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