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Ein letzter Fauxpas

Archivmeldung vom 09.07.2020

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 09.07.2020 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Andre Ott

Zum Abschied ein letzter Fauxpas: Nachdem ihre im September fürs Jahr 2023 ausgerufene Strategie schon nach wenigen Monaten krachend gescheitert ist, lässt die Führung der Commerzbank zum Abschied einen missglückten Abgang folgen. Dass sich der Aufsichtsrat in seiner außerordentlichen ganztägigen Sitzung am Mittwoch lieber mit Fragen der Strategie als mit der Nachfolge von Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann beziehungsweise Vorstandschef Martin Zielke befasst hat, passt in das chaotische Bild, das die Bank gerade abgibt.

Wenn im Konzern seit vergangenem Freitag überhaupt etwas Dringlichkeit haben muss, dann ist dies die Besetzung des Aufsichtsratsvorsitzes mit einer für diesen Posten geeigneten Person: Diese orchestriert anschließend die Berufung eines neuen Vorstandschefs, der daraufhin die künftige Strategie entwickelt.

Die Aufsichtsräte der gelben Bank aber zäumen lieber das Pferd von hinten auf und befassen sich mit den strategischen Vorstellungen eines gen Ausgang strebenden Vorstandschefs, der diese Pläne im Leben weder umsetzen noch verantworten wird. Dasselbe darf man von Zielkes Nachfolger erwarten, sofern die Bank diesen überhaupt rasch finden wird: Welcher qualifizierte Manager will denn eine Rosskur umsetzen, die ein gescheiterter Vorgänger ihm hinterlassen hat?

Wie sich in diesen Tagen deutlich zeigt, lief im Aufsichtsrat und dessen Nominierungsausschuss in der Vergangenheit nicht allzu viel zusammen, was die langfristige Nachfolgeplanung angeht. Beiden Gremien sitzt Schmittmann vor, der die Durchhalteparolen von Zielke vielleicht irgendwann einfach geglaubt hat: "Bei der Strategie ,Commerzbank 5.0' haben wir bereits greifbare Fortschritte erzielt und kommen schneller als geplant voran", hatte der Manager Mitte Februar erklärt. Und noch auf der Hauptversammlung der Commerzbank Mitte Mai schickte er der Ankündigung, die Bank werde ihre Strategie "weiterentwickeln", mit Blick auf die Covid-19-Pandemie voraus: "Bisher hat uns die Krise darin bestärkt, dass wir die richtige Strategie verfolgen."

Erst vor fünf Tagen teilte Zielke dann plötzlich mit: "Die Bank braucht eine tiefgreifende Transformation." Plötzlich scheint dem Vorstand gut jede zweite Filiale und rund jede vierte Stelle im Konzern zu viel zu sein. Schmittmann und Zielke hinterlassen einen der größten Scherbenhaufen, der im deutsche Finanzsektor auf Sicht produziert werden wird.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Bernd Neubacher

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