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Schwäbische Zeitung: Die Rentenfalle ist ein Ärgernis

Archivmeldung vom 29.12.2011

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 29.12.2011 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Im vergangenen Jahr ging jeder zweite Arbeitnehmer vorzeitig in den Ruhestand, mehr als je zuvor. Die Abzüge, die Betroffene dafür hinnehmen müssen, sind ein hoher Preis - und ein weiterer Baustein für die an breiter Front drohende Altersarmut. Die zum Jahreswechsel einsetzende Verlängerung der Lebensarbeitszeit wird die Not verschärfen und die Sozialkassen zunehmend belasten. Die Rechenkunststücke ändern nichts an der fatalen Situation.

Obwohl Arbeitgeber-Funktionäre das Gegenteil erzählen: Es ist nur wenig davon zu spüren, dass die Arbeitsmarktchancen für Ältere wachsen. Auch der neue Frührentner-Rekord straft solche Frohbotschaften Lügen - und die Sucht auf möglichst ungehinderte Ausländer-Zuwanderung in die Arbeitsmärkte.

Erkennbar wirkt zudem das süße Gift, Ältere zum Aufhübschen der Arbeitsmarktstatistik in den Ruhestand zu entsorgen. Auch dafür wurden öffentliche Kassen geplündert, wurde ein Zustand erzeugt, der die kleinlichen Debatten um Rentenerhöhungen als Unverschämtheit den Betroffenen gegenüber erscheinen lässt. Einen Durchschnittsverdiener, der 45 Jahre lang gearbeitet hat, erwartet eine Rente von 1236 Euro. Wer früher aufs Altenteil muss, erleidet Abzüge, die nun zusätzlich von Jahr zu Jahr steigen, weil die Deutschen in der Theorie bis zum 67. Geburtstag arbeiten müssen, wenn sie denn dem Renten-Druck der Personalchefs tatsächlich so lange trotzen konnten.

Das Kernproblem der üblen Entwicklung ist der Umstand, dass die Kosten am Gemeinwesen hängen bleiben: Wie die Niedriglöhner werden auch immer mehr Alte auf ergänzende Sozialhilfe angewiesen sein und das Geld auch lauter einfordern als die Rentnergeneration der Nachkriegsjahre, die sich leise ihrer Armut schämt. Nötig wäre entschiedenes Gegensteuern. Etwa durch Regeln, die die Unsitte verhindern, dass der Unternehmer wirtschaftlich im Vorteil ist, der Ältere durch schlecht bezahlte Jüngere ersetzt. Auch auf diesem Feld ist die Frage nach dem gerechten Lohn hoch aktuell - und zwar für alle Generationen.

Quelle: Schwäbische Zeitung (ots)

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