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WAZ: Deutsche optimistisch für 2009 - Dieser Lebensmut hat Lohn verdient

Archivmeldung vom 02.01.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 02.01.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Erinnern wir uns noch? Nicht lang ist es her, da sprach man von "German disease", von der "deutschen Krankheit". Und die hieß Angst. Angst vor der Zukunft und lähmende Mutlosigkeit schlich durch das Land. Das "Volk der Jammerer" führte "Gefahr" und "Risiken" als gängigste Vokabeln.

Nun kommen zum Jahreswechsel überraschende, weil völlig gegensätzliche Daten daher: Eine überwältigende Mehrheit der Deutschen geht, was die Einschätzung ihrer persönlichen Aussichten betrifft, mit großem Optimismus ins neue Jahr. Bei den jüngeren Deutschen sind es sogar neun von zehn, die so oder ähnlich denken.

Diese vollauf positive Grundstimmung überrascht umso mehr, als eine deutliche Mehrheit die Entwicklung im Land für '09 pessimistisch beurteilt. Das wirkt wie ein greller Kontrast - doch lassen sich daraus auch hoffnungsstarke Schlüsse ableiten.

Es kann sein, dass viele Menschen die enge Verflechtung der im Land allgemein herrschenden Lage mit ihrer inviduellen Situation nicht begreifen. Dass sie nicht wissen oder wahr haben wollen, dass eine Finanz- und Wirtschaftskrise jederzeit ihren Job, ihre Ausbildungssperspektive oder ihren Lebensstandard bedrohen kann. Das wäre die naive Sicht auf die Dinge.

Es kann aber auch sein, dass die Deutschen diese Zusammenhänge in ihrer ganzen Tragweite verstehen - und trotzdem keinen Grund sehen, mit ihrem Schicksal zu hadern oder zu resignieren. Und für diese ebenso mutvolle wie ermutigende Einstellung der Bürgermehrheit spricht vieles.

Hier drückt sich eine ausgesprochen staats- und leistungsbejahende Einstellung aus. Eine Haltung, die jedes Land für seine Zukunftsgestaltung braucht. Und das müsste eigentlich die Schamröte ins Gesicht derer treiben, die ob eines schnellen Unternehmens- und privaten Gewinns Werke schließen und zu Massenentlassung greifen. Sie stellt ein Armutszeugnis einem System aus, das die Jugend zur (Aus-)Bildung anspornt, aber zusieht, wie noch immer zu viele Junge nach der Ausbildung vor dem Nichts stehen. Und dass zwischen Oben und Unten in der Gesellschaft eine Kluft liegt, die größer zu werden droht, haben die Leistungswilligen auch nicht verdient.

Insofern birgt der Deutschen Optimismus eine Verpflichtung für die, die Deutschland regieren. Es ist gut, wenn Politiker den Bürgern Mut und Zuversicht zusprechen. Doch umso mehr ist es ihre Aufgabe, alles zu tun, dass sich Mut und Zuversicht lohnen. 

Quelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung (von Rolf Potthoff)

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