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Leipziger Volkszeitung zu Papst

Archivmeldung vom 05.02.2009

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 05.02.2009 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Er wolle ein einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn sein. Es klang wie ein versöhnliches Versprechen, als der neue Papst 2005 zu den Gläubigen auf dem Petersplatz sprach. Im Rückblick klingt es mehr nach einem verhängnisvollen Versprecher.

Im Weinberg herrscht eisiger Dauerfrost und der einfache Arbeiter wird mehr denn je als einsamer Autokrat wahrgenommen. Das ist verständlich und ungerecht zugleich. Es bleibt ein unglaubliches Desaster, dass die überforderte Kurie den Eindruck entstehen ließ, der Papst rehabilitiere einen Holocaust-Leugner. Dies ist eben nicht der Fall, als Benedikt den entlaufenen Pius-Brüdern mit seiner Geste eine Brücke zurück nach Rom bauen wollte. Der deutsche Pontifex steht über jeden Antisemitismus-Verdacht. Doch als der Williamson-Eklat perfekt war, wollte der zuständige Kardinal Hoyos glaubhaft machen, die Auschwitz-Ausfälle des Briten seien wie die unbefleckte Empfängnis über Rom gekommen. Atemberaubend schnell, nach zwei Wochen öffentlichen Bebens, verlangt der Vatikan nun von Williamson den Widerruf und sucht den Befreiungsschlag. Das ist kein Krisenmanagement, das Management ist Teil der Krise. Benedikt XVI. also nur ein Kommunikationsopfer? So einfach liegt der Fall leider auch nicht. Es war von Anfang an ein Missverständnis, den gelehrten Oberbayern am charismatischen Öffentlichkeitsarbeiter Johannes Paul II. zu messen. Zudem überdeckte der Eilige Vater aus Polen mit seinen vielen Reisen und Aufbruchsgesten, dass mancher Denker und Lenker im Kirchenstaat in früheren Jahrhunderten stecken geblieben ist. Dazu hat auch Johannes Pauls früherer Glaubenswächter Joseph Ratzinger beigetragen, der sich vom theologischen Elfenbeinturm aus gegen Beliebigkeit und Zeitgeist stemmte. Das kann man als Klarheit und Standfestigkeit loben. Aber wer für gar nichts mehr offen ist, der macht auch dicht für die Menschen und ihre Entwicklungen. So entstehen Störungen zwischen Sender und Empfängern, zwischen Stuhl Petri und Kirchenbänken. Wer kennt noch die letzte päpstliche Enzyklika? An die Affäre Williamson wird sich jeder noch in einem Jahr erinnern. Zurück bleibt Ohnmacht. Christen, die dem "Papa Ratzi" zujubelten, verzweifeln am Papa Ratlos. Dass er gestern bei der Generalaudienz kein offenes Wort der Erklärung fand, war nach der höchst ungewöhnlichen und undiplomatischen Merkel-Schelte zu erwarten. Einfacher hat auch die Kanzlerin die Sache nicht gemacht. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben, heißt es im Johannes-Evangelium. Es braucht aber auch einen Arbeiter, der Glauben und Gläubige mit Augenmaß hegt und pflegt.

Quelle: Leipziger Volkszeitung

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