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Vorsicht Fehldiagnose

Archivmeldung vom 20.01.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 20.01.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch André Ott

Die laufende Quartalssaison der US-Banken steht unter keinem guten Stern. Nachdem die US-Notenbank die Zinsen beinahe auf null gesenkt hat, die Coronakrise sich durch das Kreditbuch frisst und die Bonanza des Kapitalmarktgeschäfts bereits im Jahresverlauf an Momentum zu verlieren schien, waren deutlich rückläufige Quartalsergebnisse zu erwarten. Von daher verwundert es auf den ersten Blick nicht, dass die Börse die Zahlenwerke von Goldman Sachs und Bank of America am Dienstag zu Handelsbeginn mit Kursabschlägen quittierte.

Das sollte es aber! Denn tatsächlich haben sie, wie bislang alle großen US-Banken, im Schlussquartal die Erwartungen der Analysten übertroffen - zum Teil sogar um Längen. Das krasseste Beispiel liefert Goldman Sachs, deren Gewinn mit 12,23 Dollar pro Aktie fast doppelt so hoch lag wie die von Factset übermittelte Konsensschätzung von 6,65 Dollar.

Auch J.P. Morgan Chase toppte mit 3,79 Dollar pro Aktie die Prognose von 2,48 Dollar wie auch die Citigroup (2,08 Dollar versus 1,26 Dollar) und die Bank of America (0,59 Dollar versus 0,52 Dollar). Selbst das ewige Sorgenkind Wells Fargo tat allen juristischen Altlasten zum Trotz im Schlussquartal sein Bestes, um die Aktionäre mit 0,64 Dollar statt der vorhergesagten 0,59 Dollar pro Aktie zu erfreuen. Geht das so weiter, wird auch Morgan Stanley am Mittwoch die vorhergesagten 1,22 Dollar übertreffen.

Die Kluft zwischen den Prognosen und Resultaten kann als Indiz gewertet werden, dass sich nicht jede Aufgabe im Finanzbereich gleich gut aus dem Homeoffice heraus erfüllen lässt. Um treffsichere Schätzungen abzugeben, sind Analysten auf gute Investor-Relations-Arbeit angewiesen. Das lässt sich auf Dauer vermutlich besser bewerkstelligen, wenn auch Treffen von Angesicht zu Angesicht möglich sind. Wie viel zwischen den Zeilen verloren geht, wenn man sich nur noch per Telefon oder Videoschalte austauscht, hat sich in den vergangenen Monaten schließlich auch in vielen anderen Bereichen des Arbeitslebens gezeigt.

In Acht nehmen sollten sich Anleger jedoch vor dem Fehlschluss, jeden Kursabschlag als "enttäuschte" Reaktion der Anleger zu werten. Diese Interpretation ergibt zumindest im Fall der US-Banken keinen Sinn. Tränen ob der ansehnlichen Zahlenwerke sind wohl keine verdrückt worden. Stattdessen dürften viele Investoren das Bedürfnis gehabt haben, die Kursgewinne zu realisieren, die das vor Weihnachten verkündete Ende des Aktienrückkaufverbots den US-Bankenwerten beschert hatte.

Quelle: Börsen-Zeitung (ots) von Anna Sleegers

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