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WAZ: Ein Leben in Fristen

Archivmeldung vom 18.03.2010

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 18.03.2010 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Was sagt man einem, der einen Arbeitsvertrag bekommt? Zunächst: Herzlichen Glückwunsch! Gleich danach könnte die Frage stehen: Wie lange denn? Ein Job ist heute wohl eher ein Lebensabschnittsbegleiter als ein Partner fürs Leben.

Das hat selten was mit bösen Personalern zu tun, die gerne heuern und feuern. Hinter der Inflation der befristeten Arbeitsverträge steht nicht allein ein wachsendes Misstrauen gegenüber den Arbeitnehmern. Nein, es ist auch ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber der Entwicklung von Märkten. Unternehmen hängen mehr denn je an der Nabelschnur der Konjunktur. Und Krisen machen vorsichtig. Was sich heute toll verkauft, ist morgen schon ein Flop. Da gehen viele auf Nummer sicher und schließen Verträge mit kurzer Laufzeit. Das aber hat schlimme Folgen. Für die befristet Beschäftigten sowieso. Wer sich von Vertrag zu Vertrag hangeln muss, ist zur Ruhelosigkeit gezwungen. Der wird vielleicht auf Kinder, aufs Eigenheim und auf einen Partner fürs Leben verzichten. Die eigene Zukunft wird dann zum Fragezeichen. Fatal ist dieser Trend auch für Arbeitgeber. Denn Leute, die man erst ein bisschen anfüttert und dann fallen lässt, sind selten diejenigen, die für die Firma durch dick und dünn gehen. Wer nicht viel gibt, der kann auch nicht viel erwarten.

Quelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung

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