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Mittelbayerische Zeitung (Regensburg) zu den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Prag und Tschechien

Archivmeldung vom 05.03.2011

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 05.03.2011 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Thorsten Schmitt

Sechs Stunden - drei Viertel eines normalen Arbeitstages vergehen heute, bis man in Prag angekommen ist, wenn man in München in den Zug steigt. Dazwischen liegen unglaubliche vier Lokomotivwechsel. Oft dauert es noch wesentlich länger - Verspätungen sind durchaus an der Tagesordnung. Für eine 442 Kilometer lange Strecke ist das in der heutigen Zeit eine halbe Ewigkeit.

Und eine Zumutung angesichts der Tatsache, dass der Fall des Eisernen Vorhangs nun über 20 Jahre zurückliegt. Es mutet beschämend an, dass es vor allem auf deutscher Seite lediglich im Schneckentempo mit dem Zusammenschluss der Verkehrswege zu Tschechien vorangeht. Und es ist vor allem unprofessionell, das wirtschaftliche Potenzial, das in diesem Raum liegt, derart auszubremsen. Erstaunlich genug, dass sich allen Engpässen zum Trotz die Wirtschaftsbeziehungen doch sehr flott entwickelt haben. Tschechien ist heute der sechstwichtigste Handelspartner Bayerns und die Nummer eins für den Freistaat unter den mittel- und osteuroäischen Staaten. Insbesondere die grenznahen Regionen wie der Landkreis Cham haben von der Öffnung und dem Aufschwung Tschechiens in Summe enorm profitiert, mehr als jede Regionalförderung je hätte bewirken können. Deshalb ist es ermutigend und mehr als dringend, dass nun auf bayerisch-tschechicher Ebene versucht wird, endlich Schwung in die Verbesserung der Schienenverbindung München-Regensburg-Prag und darüber hinaus nach Warschau zu bringen. Am Ende steht die Idee, sie zu einem Bestandteil einer riesigen Transversale von Lyon bis Riga zu machen. Mit dem gleichzeitigen Ausbau von Nord-Süd-Verbindungen würden sowohl Ostbayern wie auch Tschechien exzellente Netze zu den Seehäfen an Nord- und Ostsee sowie ans Mittelmeer gewinnen. Solch große Lösungen sind unverzichtbarer Bestandteil von Entwicklungsprojekten auf regionaler Ebene. Und sie sind notwendig, damit der Güterverkehr nicht vollends die mit Lkw-Kolonnen heute schon über das erträgliche Maß hinaus belasteten Straßen verstopft. Doch auch wenn unsere Nachbarn beim Ausbau des Verkehrsnetzes wesentlich zügiger vorgehen als Deutschland - ein Vorbild für Wirtschaftspolitik sind sie nicht uneingeschränkt. Wie etwa Ausschreibungen und Vergaben gehandhabt werden, treibt so manchem Unternehmer die Zornesröte ins Gesicht. Nicht umsonst liegt Tschechien im CPI-Index von Transparency International, der das Maß der Korruption bewertet, auf einem nur mittelmäßigen 52. Platz unter 180 Staaten. Das reicht zwar, um vor den langjährigen EU-Mitgliedern Italien und Griechenland zu landen. Aber das sind wirklich keine Länder, an denen man sich in diesem Punkt orientieren sollte. Es gibt weitere Kritikpunkte, die Investoren nicht unbedingt anziehend finden. Dennoch bietet dieser Nachbar gerade für Ostbayern weiterhin gute Chancen. Und über alle mit Zahlen und Daten belegbaren Potenziale hinaus schadet es auch nicht, eine noch bessere innere Einstellung zu finden. Zum Glück sind jene Zeiten längst überwunden, als Ladenbesitzer in Bayern lieber einen Aufpasser zur Abwehr von Dieben vor die Tür stellten als zusätzliche Schilder in tschechischer Sprache im Geschäft anzubringen. Eine noch intensivere Willkommenskultur wäre allerdings wünschenswert - und würde beiden Seiten nutzen. Wenn man dann noch in dreieinhalb statt sechs Stunden von Prag nach München mit der Bahn reisen könnte, wäre das wunderbar.

Quelle: Mittelbayerische Zeitung

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